Wendt: Heute, am heiligen Abend, sitzst Du da in Angst und Bangen, wo sich Jeder freut, und flickst Dich krank! Nein! Das ist — empörend!! Das ... Sieh mal, Toni! Warum sollte es nicht gehn? Thust Du ihnen denn nicht selber einen Gefallen? Es muss ihnen doch nur lieb sein, wenn Du „versorgt“ bist?! Wenn sie einen „Esser wen’ger“ haben? Ist Dein Vater nicht vielleicht grade deshalb so, weil er sich über Deine Zukunft Sorge macht? Hat er Dir nicht mehr wie einmal vorgeworfen, dass Du noch hier bist?

Toni: O, das meint er ja nur so!

Wendt: Soso!

Toni: Und dann ... die Mutter! Ich kann doch die Mutter nicht hier so allein lassen? Sie ist so krank und schwächlich! Sie kann mich garnicht mehr entbehren!

Wendt (eifrig, fasst ihre Hand): Ach, was das anbetrifft; sieh mal ...

Toni (horcht auf): Warten Sie mal! (Entwindet ihm ihre Hand, steht auf und schleicht sich auf Spitzzehen zum Bett hin. Einen Augenblick beobachtet sie die Kranke, dann kehrt sie wieder zurück.) Nein! ... Ich dachte ... Linchen ... (Pause) ... Und ... (weint noch heftiger).

Wendt (hat sie die ganze Zeit gespannt beobachtet und bricht nun seufzend zusammen): Ach Gott ja! (Sich auf seinem Stuhl wieder aufrichtend) Sieh mal! Was das anbetrifft ... und ... Linchen ... Du meinst Linchen? ... O, sie ist ja in den letzten Tagen ... man kann doch unmöglich sagen, dass es grade schlimmer mit ihr geworden ist! .. (schneller) Sieh mal! Wenn sie Dich nun versorgt wissen, ist ihnen doch schon eine grosse Last genommen! Und dann könnten wir sie ja auch unterstützen, nicht wahr? Und wenn erst ihre äussere Lage etwas besser ist, dann ist ja auch Vieles, Vieles gleich ganz anders! Und dann ... ja, dann sind sie ja auch mit den Jahren — dieses Zusammenleben so gewohnt geworden! Nicht wahr? Sie würden vielleicht etwas entbehren, wenn sie’s anders hätten auf einmal, ich meine — versteh’ mich! — wenn sie’s ganz anders hätten! ... Der Mensch gewöhnt sich ja an das Allerunglaublichste!

Toni: Ach, nein ... nein ...

Wendt (in höchster Aufregung, sich aber noch fassend): Toni! ... Ich weiss nicht, Du hast so viele Bedenken, so viele ... Sag’s! Sag’s grade raus! Hast Du das vielleicht — auch nur so geschrieben, dass ... dass Du ... mich lieb hast? Kannst Du mir nicht folgen, weil ... Du mich ... nicht lieb hast?

Toni: Ob ich Dich ...? Aber ... o Gott! Was sag’ ich!