Wendt (freudig): O, nicht wahr? (Drückt ihr die Hand.) Liebe!

Toni (schluchzt nur).

Wendt (wieder sehr erregt): Und dann, liebe Toni, siehst Du? muss ich Dir noch etwas sagen! Ich bin ... ich weiss nicht ... aber Du musst mich recht verstehen, ich ... ich bin so gut wie — todt! (Toni sieht ihn erschrocken an und rückt in naivem Schreck unwillkürlich ein wenig von ihm ab. Hat aufgehört zu weinen. Wendt spricht das Folgende immer noch in grösster Erregung wie zu sich selbst.) Als ich zu studiren anfing, da war ich frisch und lebendig, voll Hoffnung! Da glaubte ich noch an meinen Beruf! Da hatte ich noch Ziele, für die ich mich begeisterte! ... Aber das hat sich alles geändert! ... Seitdem ich hierher gekommen bin in dieses ... in die Grossstadt, mein’ ich ... und all das furchtbare Elend kennen gelernt habe, das ganze Leben: seitdem bin ich — innerlich — so gut wie todt! ... Ja! Das hat mir die Augen aufgemacht! ... Die Menschen sind nicht mehr das, wofür ich sie hielt! Sie sind selbstsüchtig! Brutal selbstsüchtig! Sie sind nichts weiter als Thiere, raffinirte Bestien, wandelnde Triebe, die gegen einander kämpfen, sich blindlings zur Geltung bringen bis zur gegenseitigen Vernichtung! Alle die schönen Ideen, die sie sich zurechtgeträumt haben, von Gott, Liebe und .. eh! das ist ja alles Blödsinn! Blödsinn! Man .. man tappt nur so hin. Man ist die reine Maschine! Man ... eh! es ist ja alles lächerlich! (Mit einer hastigen Bewegung zu ihr.) Siehst Du, liebe Toni! Deshalb kannst Du und darfst Du einfach gar nicht „Nein“ sagen! Du bist meine einzige Rettung! ... Ich könnte ohne Dich keinen Tag mehr leben, oder ich müsste verrückt werden, einfach verrückt! Du ... Du bist das Einzige, woran ich nicht zweifle! Alles Andre versteh’ ich! Alles Andre ist mir so unheimlich klar und durchsichtig! Aber Du ... Du?! ... Wenn ich Dich so sehe, so still leidend, so geduldig, da ... möcht’ ich Dich — haben!! ... für Dich leben, verstehst Du? Und ... Alles Andre ... hahaha! ... ich pfeife, pfeife drauf! ... Nur Du ... Du!! ... (Sieht sie an, kommt plötzlich wieder zu sich und springt auf.) Du! ... Was ... was hab’ ich — gesprochen? Du weinst?! Mädchen! ... Herrgott! (Rückt ganz nahe zu ihr. Spricht das Folgende sehr sanft.) Ach, siehst Du! Das war ja alles Unsinn, Thorheit! Ich weiss nicht ... tt! ... Ich meinte ... siehst Du? ... man lernt so viel kennen in der Welt, was einen niederdrückt, missmuthig macht ... so manchmal, mein ich! ... Nicht wahr? ... Deshalb wirft man ja aber doch die Flinte nicht gleich in’s Korn?! ... Das geht Allen so! ... Ich meinte nur: wenn zwei, so wie wir, sich zusammenthäten, dann würd’ es ihnen leichter, das Leben zu ertragen! ... So meint’ ich! ... Ich habe da ... ich weiss nicht, wie ich das alles so hingeschwatzt habe! ... Das ist ja alles selbstverständlich!... Es ist ja weiter gar nichts dabei! ... Es ist ganz einfach! Weine doch nicht mehr, mein liebes, liebes Mädchen! .... Nein, ich ... ich ... Narr! .... Beruhige Dich! ... Beruhige Dich doch! ... Hörst Du? ... Hab’ ich Dich so erschreckt?

Toni (rückt näher zu ihm, schmiegt sich an ihn): Nein ich ... ich bedaure Dich so!

Wendt (sie an sich drückend): Du — bedauerst mich?! Mädchen!

Toni: Kannst Du denn dann aber Pastor werden?

Wendt (glücklich): Ach das ... das ist ja eine Form! Das ist Nebensache!

Toni: Aber wenn Du nicht glaubst, dass ... wenn Du nicht an — Gott glaubst?

Wendt: An Gott glaubst! ... Die Hauptsache ist, (innig) wir werden uns dort beide auf dem Lande so wohl fühlen, so wohl! Wir werden so glücklich sein! Nicht wahr?

Toni: Aber ...