Toni (hat während der Erzählung Linchens freudig überrascht aufgehorcht und ist nun auch an das Bett herangetreten): Wie unser Linchen erzählt! Siehst Du, Mama? Nun wird sie bald, bald gesund sein!
Linchen (etwas ungeduldig): Na ja! ... Das — werd’ ich auch!
Toni: Schön! Schön, mein gutes Herzchen!
(Steht am Bett mit übereinandergelegten Armen und sieht zärtlich auf Linchen herab.)
Frau Selicke (die Toni zugenickt hat): Aber, hörst Du? Erzähl’ lieber nicht so viel, mein Linchen!
Linchen (schnell, aufgeregt): Nein ... wart doch mal ... Ma—machen! .. Hör doch mal! ... Un Cousine Anna ... Die hat Kleider?! .. Kleider hat die! ... Na, aber auch ... so viele! ... Sonntags ... weisst Du ... wenn wir in die Kirche ... (Hustet.)
Frau Selicke (angstvoll): Kind! Kind!
Linchen: Ach ... das ... schadet nichts ... Ma—mach’n! ... So’n — bischen — Husten noch! ... Das — hört — morgen wieder auf — Nich? .. Sonntags in der Kirche .. ein blaues, ein — ganz — himmelblaues .. mit .. weissen Spitzen! ... Fein, Mamachen! ... Na ... aber auch alle, alle — haben — auf uns — gekuckt! ... (Etwas ruhiger; nachdenklich): Ach, wie hübsch — ist es da — Mamachen! ... Immer — so still! ... Aber — viel Fliegen! ... Nich wahr, Mamachen? ... wenn es — recht heiss is ... Onkhel zankt nich’n — einziges Mal — mit Tante! ... Kein Schimpfwort! ... Und Anna und Otto — sind auch immer — so artig!
Frau Selicke: Liebes Herzchen! Du wirst ja ganz heiser!
Linchen: Weisste ... sie wollten — mich dabehalten! ... Sie wollten mich — gar nich — wieder fortlassen! ... Tante sagte: ich sollte nu — ihre Tochter werden! ... Papa — soll sich’s ... überlegen! .. (nachdenklich): Gut hätt’ ich’s da! ... Nich, Mamachen? ... (Sehr lebhaft, sich steigernd): Aber Du — und Papa — sollen mich — dann immer — besuchen! ... Aber — ich ziehe nich hin, Mamachen! .... Nich? ... Ich ziehe nich hin! ... Ich bleibe — hier!