Selicke (kommt aus der Kammer. Frau Selicke zurück, schliesst die Thür): Aeh! Da biste ja, mein süsses Weibchen! (Geht auf die Flurthür zu. Unterwegs macht er aber Halt.) Hm? Mein P — Putt ... hbf! ... P — Puttchen? ... Das arme Kind! ... Das arme Kind! (Er holt sich die Düte vom Tisch und geht mit ihr auf das Bett zu. Walter lugt verstohlen um den Thürpfosten. Man hört, dass jetzt auch Albert wach geworden ist. — Selicke bückt sich ein wenig über das Bett. — Leise.) M— Mäuschen! ... Sch—läfste, mein armes — Herzchen? ... Sst! ... Sie schläft, die — kleine Tochter!
Toni (kommt ängstlich auf das Bett zu): Vater!
Selicke: Ich habe Dir — was mitgebracht? ... K—Kuchen, Kind? — K—Kuchen?
Toni: Vater! Sie wird ja wach!
Selicke (richtet sich auf): W .. Was willst Du? Hä?
Toni: Sie ist ja so krank!
Selicke (ihr nachäffend): „Sie ist so krank!“ ... Ae! Hab’ Dich doch, alte Suse! — „Sie ist so krank!“ .. „Piep, piep, piep!“ ... Ach, Herr Jemine! ... Das arme Mädchen! Wie die sich vor ihrem Vater ängstigen muss! — Mach, dass Du wegkommst! ... Mag Dich nich sehn! (Die letzten Worte zornig, bedrohend. Die Flurthür ist ein wenig aufgegangen. Frau Selicke schreit auf). Aah! ... Sieh mal! .. Da steckste, mein süsses Lamm? (Lacht, taumelt an Toni vorbei auf die Flurthür zu. Draussen wird hastig die äussere Flurthür aufgerissen. Es poltert die Treppe hinunter. — Selicke öffnet die Thür.) Na, so ’ne Komödie! ... Kuckt, wie die Alte rennen kann (zeigt in das Entree) mit ihrem schlimmen Fusse! ... Ne! ... Hähähä! ... Wie se humpeln kann! .. Hopp, hopp, hopp! ... Wie der Wind! ... Haste nich gesehn! ... Wie’n Schnelllöfer! ... (Lacht, schüttelt dann aber plötzlich die Faust nach dem Flur, ruft unterdrückt) Du, altes Thier! Du willst ’ne Mutter sein?! ... Ach, Du! — Du! — Du! ... Unglücklich hast Du mich gemacht! Unglücklich! ... (Kommt zurück; während er an Toni vorbeikommt) Na, Du? ... „Sie ist so krank!“ ... Ae! Weg! ... Lass mich vorbei! (Tappt wieder zum Bett und will sich drüber bücken.)
Toni (ihm nach): Vater! Lass jetzt das Kind! — (Sie stösst ihm mit der Hand gegen die Schulter).
Selicke (richtet sich in die Höhe.): Waaas?!! ... Waaas?!! Du — willst — Dich — an Deinem Vater — vergreifen?! Waaas?!! ... I, nu seht doch mal! (Kommt auf sie zu. Toni ist zurückgetreten und lehnt an der Wand. Regungslos. Die Hände zusammengekrampft. Sie sieht ihm starr in’s Gesicht. Ihre Lippen zucken. Die Thränen laufen ihr über die Backen.)
Toni: Pfui! Schäm’ Dich! ... Du bist betrunken!