»Nein«, erwiderte ich trocken. »Ich vermute, daß ihr mehrere Monate gebraucht habt, um hierherzukommen«, fragte ich dann wie beiläufig, bemüht, durch diesen Angriff auf ihre Ehre als gute Reiter genaue Nachricht zu erlangen.

»O nein! Unsere Pferde sind gut«, antwortete er, »und wir sind schnell gekommen.«

»Tschik, ni, sum, schi, nga, do, din, ghitsch, gu, tschu, tschuck tschik, tschuck ni«, zählte der Tibeter bis zwölf, indem er die Stirn runzelte und den Kopf nach rechts geneigt hielt, als ob er seine Gedanken sammeln müsse; dabei hielt er die Hand empor, den Daumen gegen die Handfläche gedrückt, und legte, als er die Zahlen nannte, einen Finger nach dem andern nieder. Die Daumen werden beim Zählen nie gebraucht. »Lum tschuk ni niman! Zwölf Tage«, sagte er, »sind wir auf dem Wege gewesen, und wir haben Befehl, nicht zurückzukehren, bis wir den Plenki gefangen haben. Und du,« fragte er forschend, »wie lange hast du gebraucht, um von Ladak hierherzukommen?«

Er sagte, er könne mir am Gesicht absehen, daß ich ein Kaschmirer sei, was mir eine schlechte Meinung von seiner Fähigkeit gab, Volkstypen zu erkennen. Indessen war mein Gesicht wirklich so verbrannt und so schmutzig, daß es schwer war, mich von einem Eingeborenen zu unterscheiden, trotzdem ich europäische Kleidung trug. Der alte Mann fragte mich in die Kreuz und Quere, um herauszubringen, ob ich ein Pundit wäre, der von der indischen Regierung ausgeschickt sei, um das Land aufzunehmen, und erkundigte sich, weshalb ich meine einheimischen mit »Plenki«-Kleidern vertauscht hätte. – Er fragte mich immer wieder, ob ich nicht einer von des Plenkis Gesellschaft sei.

»Keran ga naddo ung? Wohin gehst du?« fragte er.

»Nhgarang ne koroun Lama jehlhuong. Ich bin ein Pilger,« erwiderte ich, »ich will Klöster besuchen.«

»Keran mi japodu. Du bist ein guter Mann.«

Er bot sich an, mir den Weg nach dem Gunkyosee zu zeigen, und tat dies so dringend, daß ich es annahm. Als ich jedoch die zweihundert Soldaten ihre Pferde besteigen und uns folgen sah, machte ich ihm Vorstellungen und sagte, daß wir, wenn wir Freunde sein sollten, keine Armee brauchten, die uns eskortierte.

»Wenn du unser Freund bist, kannst du allein kommen, und wir werden dir keinen Schaden zufügen,« gab ich ihm zu verstehen, »wenn du aber unser Feind bist, werden wir dich und dein Heer hier sogleich bekämpfen und euch die Mühe sparen, weiterzugehen.«

»Ja«, wiederholten Tschanden Sing und Man Sing wie ein Echo.