Seinem Beispiel folgend trugen einige der andern ihr Mißvergnügen in gleicher Weise zur Schau; andere jedoch standen apathisch beiseite, den Kopf auf die rechte Schulter geneigt, mit vollkommen ruhigem Gesichtsausdruck, das Kinn auf die Hände gestützt. Wenn sie auch ihre erste Bestürzung nicht überwunden haben mochten, so verrieten sie dieselbe doch nicht, sondern erschienen, soweit man nach ihren Gesichtern urteilen konnte, nicht aufgeregt.

Ein Bursche mit einem ungewöhnlichen Kopf, der eine Mischung von mongolischem und Negertypus zu sein schien, beruhigte sich zuerst unter denen, die vorher in so toller Aufregung gewesen waren. Mit durchdringenden, aber unruhigen Augen und mit nervös zuckenden Bewegungen musterte er mein Gesicht genauer als die andern und schien sie dann alle zu beruhigen, daß ich nicht gekommen sei, ihnen Schaden zuzufügen. Er machte den übrigen Zeichen, daß sie mit ihren Drohungen aufhören sollten; dann kauerte er sich nieder und forderte mich auf, seinem Beispiele zu folgen und mich ebenfalls auf meine Hacken niederzulassen.

Als die Aufregung sich gelegt und die ganze Gesellschaft sich gesetzt hatte, zog ich einige Münzen aus der Tasche und gab jedem von ihnen eine; nur einen Mann ließ ich aus, an dem ich die Leidenschaft der Eifersucht in ihrer primitivsten Form studieren zu können glaubte. Aufmerksam beobachtete ich ihn und sah bald, daß er abseits von den andern trat und mürrisch wurde. Die andern waren jetzt schon stillvergnügt. Sie schienen zum Trübsinn zu neigen, und nur mit Mühe konnte ich überhaupt einem von ihnen mehr als den schwachen Schimmer eines Lächelns entlocken. Sie drehten und wendeten die Münzen in den Händen hin und her, verglichen sie untereinander, schwatzend und augenscheinlich zufrieden. Der eifersüchtige Mann hielt den Kopf entschieden von ihnen abgewandt und tat, als ob er nicht sähe, was um ihn vorging; dann stimmte er, das Kinn auf die Hand stützend, einen unheimlichen melancholischen Gesang an, wobei er, namentlich wenn die andern ihn verhöhnten, eine verächtliche Miene annahm. Nachdem ich ihn lange genug hatte leiden lassen, gab ich ihm anstatt der einen zwei Münzen und damit zugleich die Befriedigung dessen, der zuletzt lacht.

Nun machte ich den Versuch, die Gruppe zu photographieren; aber sie betrachteten meine Kamera mit Mißtrauen, und als dann Platte nach Platte exponiert wurde, um Bilder von einzelnen Individuen oder Gruppen aufzunehmen, schauderten sie bei jedem Knipsen der Feder.

»Die Götter werden dir zürnen, weil du das tust,« sagte einer, indem er auf die Kamera wies, – »wenn du uns nicht eine große weiße Münze gibst!«

Ich benutzte dies und versprach ihnen, so gut ich es durch meine Führer konnte, »zwei große Münzen«, wenn sie mich nach ihren Hütten führen würden, die einige hundert Meter unter dem hohen Horst auf der Klippe lagen; aber für diese Summe sollte mir erlaubt sein, nicht nur alles anzusehen, sondern es auch zu befühlen, und über alles, was ich wollte, Erklärungen zu bekommen.

Sie willigten ein, und wir begannen unsern Abstieg auf dem steilen Pfade, der zu ihren Wohnstätten hinabführte, einem Pfad, der wirklich nur für Affen passend ist. Mehrere Frauen und Kinder, die, durch den Anblick von Fremden herbeigelockt, heraufgekommen waren, verbanden sich mit den Männern, um uns hilfreich Hand zu leisten, und ich glaube, daß es wirklich keine einzige Hand in der Gesellschaft gab, die mich während des Hinabkletterns nicht ein oder das andere Mal in freundlichster Absicht an den Kleidern gepackt hätte. Einer am andern sich haltend, gingen wir zusammen die gefährliche Klippe hinab, nicht immer im angenehmsten Tempo. Zwei- oder dreimal glitt ich oder einer der Eingeborenen aus und zog den übrigen Teil der Gesellschaft am Abgrund mit fort, während das durchdringende Kreischen und Schreien der Frauen meilenweit in der Runde widerhallte. Ich bedauerte es nicht, als wir endlich die kleinen Hütten am Flusse erreichten, die ihr Dorf bildeten.

Die Wohnungen waren über alle Maßen schmutzig. Aus einem rohen Gerüst von Baumästen errichtet, durch hölzerne Pfähle und Sparren versteift, mit einem Dache von trockenem Grase gedeckt, maßen die meisten etwa drei Meter. Sie waren gegen den Abhang des Hügels gebaut; ein starker, gegabelter Pfahl in der Mitte des Bauwerks trug das Dach, und gewöhnlich waren die Hütten in zwei Abteilungen geteilt, so daß jede zwei Familien beherbergen konnte. Möbel waren nicht vorhanden, und es gab nur wenig Geräte primitivster Art. Sie hatten runde hölzerne Schalen, früher vermittelst scharfkantiger Steine, seit einiger Zeit aber mit billigen Messern indischen Fabrikats ausgehöhlt. Für diejenige Art von Ackerbau, die sie betreiben konnten, benutzten sie primitive Hacken; sie hatten auch plumpe Holzhämmer, Stöcke und Netzbeutel, in denen sie ihre Vorräte aufbewahrten. In früherer Zeit bildeten Flußfische, Fleisch von wilden Tieren und Wurzeln gewisser Pflanzen ihre hauptsächlichste Nahrung, jetzt aber essen sie auch Getreide und sind wie alle Wilden gierig nach Schnaps.

Als ich eine der Wohnungen betrat, fand ich darin eine Anzahl von Frauen und Männern um ein Holzfeuer kauernd. Die Frauen trugen silberne Armringe und Halsbänder von Glasperlen; die Männer wenig mehr als Ohrringe aus Schnüren; nur einer der Männer hatte ein winziges Lendentuch, und die Frauen dürftige Kleider aus indischem Stoff, die in Askot gekauft waren.

Bei genauer Prüfung ihrer Züge fielen mir manche Punkte auf, die auf entfernte mongolische Abstammung schließen ließen, freilich durch das Klima, die Natur des Landes und wahrscheinlich durch Mischheiraten stark modifiziert.