Mein Armknochen[1] ist der heilige Knochen (Gottesknochen),

Und das Zeichen der Mannheit mein linker Arm.

O mein Gott, der du über meinem Haupte bist,

Und in dem heiligen Kujernath, Banzah und Nattitti.

Ich bete jeden Tag um Gesundheit und Reichtum (Silber und Gold).

[1] Die Tibeter glauben, daß bei Männern der linke, bei Frauen der rechte Arm Gott gehöre. Sie betrachten die Arme als heilig, weil mit ihnen die Nahrung zum Munde geführt und dadurch dem Körper Leben gegeben wird, und auch, weil man sich mit den Armen gegen seine Feinde verteidigen kann. Auch das Nasenbein wird als heilig angesehen.

Gegen Mitternacht kam der Rupun zurück. Ich bemerkte, daß er sehr aufgeregt war. Er setzte sich neben mich, und bei dem Lichte des flackernden Feuers und eines Dochtes, der in einer mit Butter gefüllten Messingschale brannte, konnte ich den Ausdruck großer Sorge auf seinem Gesicht wahrnehmen. Aus dem mitleidigen Blicke, mit dem er mich ansah, erkannte ich, daß er mir ernste Nachrichten zu bringen hatte. Ich täuschte mich nicht. Er nahm mich von dem verpesteten Platze fort, auf den mich die Soldaten hilflos niedergeworfen hatten, und brachte mich an eine bequemere, reinlichere Stelle des Zeltes. Dann befahl er einem Soldaten, mir eine Decke zu geben. Gleich darauf wurde er zu meinem Erstaunen sehr streng und sagte, daß er meine Fesseln untersuchen müsse. Er geriet sogar in Zorn, schalt die Soldaten, daß sie mich so wenig fest gebunden hätten, und ging selbst daran, die Knoten fester zu machen, was, wie ich fühlte, unmöglich war. Obgleich er scheinbar seine ganze Kraft daran wendete, fühlte ich zu meiner großen Überraschung, daß meine Fesseln gelockert wurden. Dann deckte er mich schnell mit der schweren Decke zu.

Die Soldaten waren am andern Ende des großen Zeltes und schienen durch eine laute Erörterung über irgendeinen geringfügigen Gegenstand in Anspruch genommen zu sein. Der Rupun aber bückte sich tief herab, und indem er so tat, als ob er mich in die Decke einwickelte, flüsterte er:

»Dir soll morgen der Kopf abgeschlagen werden. Entfliehe heute abend! Draußen sind keine Soldaten.«

Der gute Mann bereitete wirklich alles für meine Flucht vor. Er löschte das Licht aus und legte sich an meiner Seite zum Schlafen nieder. Es wäre verhältnismäßig leicht gewesen, unter dem Zelte durchzuschlüpfen und mich fortzustehlen, da alle Soldaten eingeschlafen waren. Ich hätte meine Hände leicht aus den Stricken herausbekommen und würde keine Schwierigkeit gehabt haben, alle meine andern Fesseln aufzumachen. Aber der Gedanke, daß ich meine beiden Leute in der Gewalt der Tibeter lassen würde, hinderte mich, meine Flucht ins Werk zu setzen.