Mit Hilfe eines hindostanischen Wörterbuchs, ausdrucksvoller Gebärden und flüchtiger Skizzen beantwortete ich seine Fragen so gut ich konnte. –
Gefährliche Rutschpartie.
Auf dem Wege nach Dartschula durch das tiefgelegene Tal war die Hitze unerträglich, obgleich die Sonne schon nahe dem Horizont stand. Wir kamen an einem Wasserfall vorüber, der aus großer Höhe über eine Gruppe von mit Moos bewachsenen schirmförmigen Stalaktiten hinabstürzte. Die letzten Strahlen der Sonne fielen auf die Wassertropfen, die gleich einem Diamantregen funkelten.
Ich rastete eine Weile an diesem kühlen, herrlichen Ort. In den Bäumen sangen Vögel, und Affen trieben ihr Spiel im Geäste. Weiterhin, wo der Fluß eine Biegung macht, befinden sich zwei große Höhlen in den Felsen; ihre rauchgeschwärzten Decken zeigen an, daß sie von reisenden Schokas und Hunya-Tibetern als Lagerplätze benutzt werden. Große Affen mit schwarzen Gesichtern und weißen Bärten schwärmten überall umher, dreist und voll boshaften Mutwillens. Sie werfen oder rollen Steine auf die Vorübergehenden hinab und verursachen dadurch nicht selten Unfälle, da der Pfad ziemlich schmal ist und hart über dem Flusse entlang führt.
Ich hatte Sorge, so schnell als möglich durch das heiße Tal zu kommen; deshalb weckte ich meine Leute schon um 3 Uhr morgens und trat, trotzdem wir erst spät in der Nacht Rast gemacht hatten, den Weitermarsch an. Hier und da sahen wir am Wege verlassene Winterwohnungen der Schokas liegen, fast alle mit eingefallenen Grasdächern. Nur einige waren mit Schiefer gedeckt und dadurch als Wohnstätten der Darma-Schokas gekennzeichnet.
Bemerkenswert waren die einfachen Wassermühlen der Schokas. Vermöge einer sehr sinnreichen Vorrichtung trieb das Wasser eines Baches einen schweren zylindrischen Stein, der sich auf der obern Seite eines andern umdrehte. Das Korn fiel langsam aus einer darüberliegenden Kammer in ein in den Mittelpunkt des obern Rades gebohrtes Loch und von da durch eine Rinne zwischen die beiden Steine, wo es zu feinem Mehl zerrieben wurde.
Dartschula (1080 Meter), die größte Winterniederlassung der Schokas, liegt in einer schönen Ebene, wenige hundert Meter über dem Flusse. Das Dorf besteht aus zwölf langen Reihen von dächerlosen Häusern, die einander in Größe und Form sehr ähnlich sind. Vier größere Gebäude an dem äußersten Ende der Niederlassung ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Eine derselben ist ein Daramsalla, die andern, zwei hohe Steinbauten, sind eine Schule, ein Hospital und eine Apotheke, die der Bischöflichen Methodistenmission gehören und unter der sorgfältigen Aufsicht von Miß Sheldon (Dr. med.), Miß Brown und des Doktor H. Wilson, eines vortrefflichen Pioniers, stehen.
Nachdem ich den Rankutifluß überschritten hatte, stieg ich im Zickzack noch höher, einen Gebirgszug nach dem andern jenseits des Flußtales hinter mir lassend, während auf der Seite von Nepal hinter drei Bergketten Schneegipfel von großer Höhe und Schönheit sich zum Himmel erhoben. Der höchste Punkt des Weges lag 1660 Meter hoch; danach stiegen wir wieder auf 1607 Meter hinab bis zum Daramsalla von Chela, das wir erst spät abends erreichten.
Nahe bei Chela erhob sich auf dem Gipfel eines hohen Berges ein großer quadratischer Felsblock, der einem Turme nicht unähnlich war. Die Eingeborenen sagen, daß eine bloße Berührung ihn ins Schwanken und Drehen bringe; aber dieser Glaube ist nicht allgemein, denn andere leugnen, daß er sich jemals bewege. Ich konnte mir weder die Zeit nehmen, die Sache zu untersuchen, noch konnte ich zuverlässigen Bericht von irgend jemand erlangen, der wirklich aus Erfahrung hätte darüber sprechen können. Soweit ich mit Hilfe meines Fernglases sehen konnte, schien der Fels fest auf einer sehr soliden Basis zu stehen. Ebenso war es mir zu meinem Bedauern nicht möglich, die merkwürdigen heißen Schwefelquellen am Darma-Ganga zu besuchen und die seltsame Höhle, in der durch die aus dem Boden steigenden schädlichen Gase viel Tiere das Leben verlieren. Aus verschiedenen Berichten erfuhr ich nur, daß diese Höhle oder Grotte mit Skeletten von Vögeln und Vierfüßern angefüllt sei, die zufällig in diese Kammer des Todes geraten waren.