»Man kann sie nicht immer sehen, wenn man will, Herr, aber man muß sie immer vermeiden. Sie sind böse Geister und können nur Schaden tun.« –
Als ich Askot (1400 Meter) auf dem in Windungen durch einen dichten Wald führenden Wege verlassen hatte, überschritt ich bei Gargia (750 Meter) auf einer Hängebrücke den Fluß Gori. Der Pfad lief durch das tiefe, unbehaglich heiße Tal des Kali, eines reißenden Stromes, der mit unbeschreiblicher Geschwindigkeit in der meinem Wege entgegengesetzten Richtung floß; er bildet die Grenze zwischen Nepal und Kumaon.
Hütten und Strecken bebauten Landes zeigten sich auf dem nepalesischen Ufer, während wir auf unserer Seite an verlassenen und ihrer Dächer beraubten Winterwohnungen von Schokas (gewöhnlich, aber unrichtig, Botiyas genannt) und von Tibetern vorbeikamen, die in den kältern Monaten des Jahres in diese wärmern Gegenden auswandern, um hier ihre Schafe zu weiden. Die Sommerwohnstätten der Schokas befinden sich in größern Höhen, zumeist längs der Landstraßen, die nach Tibet führen, und näher an der tibetischen Grenze.
Bei meiner Ankunft in dem Daramsalla von Kutzia überbrachte mir ein Bote die Nachricht, der Rajiwar, den ich in Askot nicht angetroffen hatte, sei jetzt hier, um gewissen Gottheiten Opfer darzubringen. Er werde mich um 3 Uhr nachmittags besuchen.
Pünktlich um 3 Uhr nachmittags kam der Rajiwar in einem Dandy getragen an, von seinem Bruder gefolgt, der in einem Bergdandy saß. Des Rajiwars Sohn und Erbe ritt auf einem prächtigen grauen Pony. Ich war dem alten Rajiwar, der seit einigen Jahren gelähmt war, beim Aussteigen behilflich. Wir schüttelten uns herzlich die Hände, und ich führte ihn in das Daramsalla, wo wir uns in Ermangelung von Möbeln auf Kisten niederließen. Sein vornehmes, schön geschnittenes Gesicht, sein anziehendes Benehmen und die sanfte, würdevolle Stimme, mit der er sprach, ließen deutlich den Mann von edlem Blut und ungewöhnlichen Fähigkeiten erkennen. Seine Bescheidenheit und Einfachheit waren entzückend.
»Ich hoffe, daß Ihr bei guter Gesundheit seid und auf Eurer Reise nicht zu viel gelitten habt. Es hat mich betrübt, daß ich Euch nicht in Askot empfangen konnte. Leben Eure lieben Eltern noch? Habt Ihr Brüder und Schwestern? Seid Ihr verheiratet? Ich würde England gern besuchen. Es muß ein wundervolles Land sein, und ich bewundere es so sehr, daß ich meinen Neffen eine englische Erziehung gegeben habe. Einer von ihnen dient jetzt der Maharanee (Königin) Victoria als politischer ›Peschkar‹.«
Schokahäuser.
Auf dem Weg zum Rambang.