»Nein; die Geister der Berge sind Geister von Leuten, die nicht in den Himmel gekommen sind. Man findet sie nachts in Schwärmen im Walde; die Leute werden von ihnen erschreckt. Sie halten sich auf den Gipfeln und Hängen der Berge auf und sie können die Gestalt einer Katze, einer Maus und eines jeden andern Tieres annehmen; in der Tat sollen sie ihr Aussehen häufig ändern. Da, wo kein Mensch hin kann, zwischen Felsen und Abgründen oder in dem dichten Dschungel suchen die Geister ihre Zuflucht, aber oft verlassen sie ihre Wohnungen, um Menschen zu suchen. Wer von ihnen besessen ist, bleibt in einem halb bewußtlosen Zustande und stößt wahnsinnige Schreie und unverständliche Laute aus. Es gibt Leute, die vorgeben, Zaubermittel zu kennen, um sie auszutreiben. Mit mehr oder weniger Erfolg gebrauchen die Eingeborenen einige Heilmittel zu dem Zwecke. Ein ›Bitschna‹ (Nessel) genanntes Gras hat die Kraft, die Geister fortzuscheuchen, wenn es auf den Körper des Leidenden gelegt wird, aber das Wirksamste ist, zu tun, als ob man den Besessenen mit einem rotglühenden Eisen schlüge. Dies scheinen die Geister mehr als alles andere zu fürchten.«

»Sprechen die Geister jemals?« fragte ich, voll Interesse für die seltsamen Vorstellungen dieser Bergbewohner.

»Nein, nicht oft, auch gewöhnlich nicht direkt, aber sie tun es durch Leute, die von ihnen besessen sind. Solche Leute erzählen viele merkwürdige Geschichten über die Geister. Eine sonderbare Eigenschaft der Geister ist, daß sie nur Leute ergreifen, die Furcht vor ihnen haben; wenn man ihnen Trotz bietet, verschwinden sie.«

»Wenden die Eingeborenen irgendeine besondere Methode an, sich gegen diese Bergdämonen zu schützen?«

»Der einzig sichere Schutz ist Feuer. Jeder, der neben einem Feuer schläft, ist sicher, und solange eine Flamme brennt, bleiben die Geister fern.«

»Kennst du irgend jemand, der sie gesehen hat?«

»Ja, ein Tschaprassi namens Joga erzählte, daß er einmal bei Nacht durch einen Wald reisen mußte; dabei habe er eine Stimme gehört, die ihn beim Namen rief. Erschrocken stand er still, und einige Augenblicke lang versagte ihm die Stimme. Endlich antwortete er, am ganzen Leibe zitternd, und sofort erschien ein Schwarm von Geistern und forderte ihn heraus. Joga rannte um sein Leben, und die Dämonen verschwanden. Man weiß auch von Geistern, die mit Steinen nach Vorübergehenden geworfen haben.«

»Hast du jemals einen Geist gesehen, Jagat Sing?«

»Nur einmal. Ich ging spät abends nach dem Palast, als ich auf dem steilen Wege die Gestalt einer Frau bemerkte. Es war eine schöne Mondnacht. Ich schritt aufwärts, und als ich vorüberging, erschien das Gesicht des seltsamen Wesens schwarz, unmenschlich, grausig. Ich wich erschrocken zurück, und als ich die unheimliche Erscheinung näherkommen sah, stockte mir vor Furcht das Blut in den Adern. Ich führte einen mächtigen Hieb mit meinem Stock, aber, siehe da! das Rohr fuhr durch die Luft und traf nichts. In demselben Augenblick verschwand der Geist.«

»Ich hätte es gar zu gern, Jagat Sing, daß du mir einige von diesen Geistern zeigen könntest; ich würde alles darum geben, eine Zeichnung von ihnen zu entwerfen.«