Als ich mit Jagat Sing Pal, dem Neffen des Rajiwar von Askot, durch die Stadt ging, sah ich in einem niedrigen steinernen Schuppen neben dem Palast die große hagere Gestalt eines Mannes, der aus einer Rauchwolke herausragte.
»Wer ist das?« fragte ich meinen Begleiter.
»Ein Fakir, der von einer Pilgerfahrt nach dem heiligen See Mansarowar in Tibet zurückkehrt. Während des Sommers kommen viele dieser Fanatiker auf ihren Wallfahrten hier durch.«
Meine Neugier zog mich zu dem unheimlichen Individuum. Er war über sechs Fuß hoch; sein schlanker Körper war mit Asche bedeckt gewesen, die der dunkeln Haut eine gespenstische graue Färbung gegeben hatte. Ich veranlaßte ihn herauszutreten. Das massenhafte lange Haar war in kleine Zöpfe geflochten, die nach Art eines Turbans um seinen Kopf gelegt waren. Das Haar war weiß gefärbt, während der lange dünne Bart glänzend rot gefärbt war. Seine Augen waren eingesunken, und Stirn und Wangen waren dick mit weißer Farbe bemalt, was offenbar den schauerlichen, geradezu abstoßenden Eindruck erhöhen sollte. Er schien halb betäubt und wußte wenig zu sagen. Er war nur spärlich bekleidet, aber er trug das Kamarjuri oder die Fakirkette um seine Lenden und hatte ein messingenes Armband über den Ellenbogen um den Arm geschmiedet. Seine Hüften waren mit einem Kranze von Holzperlen umgürtet, und ein Halsband von geflochtenen Haaren schmückte seinen Hals. Seine Tage verbrachte er damit, sich in der Asche herumzuwälzen und selbstauferlegte leibliche Entbehrungen zu erdulden, um dadurch in den Zustand der Heiligkeit zu gelangen.
Ich hatte von abergläubischen Vorstellungen unter diesem Volke gehört.
»Gibt es«, fragte ich Jagat Sing, »in diesen Gebirgen auch Berggeister, und glaubt das Volk wirklich an sie?«
»Ja, Herr,« antwortete der junge Mann, »gewiß gibt es viele und sie sind oft sehr lästig, besonders für gewisse Leute. Doch hört man nur selten, daß sie jemand töten.«
»Dann sind sie nicht ganz so böse wie manche menschliche Wesen«, erwiderte ich.
»O Herr; sie sind sehr böse. Wie mit eisernen Klauen packen sie schlafende Leute am Halse und sitzen auf der Brust ihrer Opfer.«
»Das sieht eher so aus, als hätten sich die Leute den Magen überladen!«