Die Raot erheben den Anspruch, Nachkommen von Königen zu sein, und wollen niemand untertan sein. Sie grüßen weder noch verneigen sie sich.

»Andere Leute müssen uns grüßen; unser Blut ist das Blut von Königen, und wenn wir uns auch aus freien Stücken seit Jahrhunderten in das Dschungel zurückgezogen haben, so sind wir doch Söhne von Königen.«

Nach einiger Zeit, als ich schon ziemlich lange unter ihnen gewesen war, schienen diese königlichen Wilden unruhig und furchtsam zu werden. Ich hatte jedes Stück ihres Haushalts, was mir vor die Augen gekommen war, umgedreht, untersucht, gezeichnet oder photographiert, hatte alle, Männer und Weiber, die eingewilligt hatten, sich messen zu lassen, gemessen und ihnen den vereinbarten Geldbetrag gezahlt. Als ich im Begriff war fortzugehen, trat der grauhaarige Mann noch einmal auf mich zu:

»Du hast die Wohnstätten der Raot gesehen, du bist der erste Fremde, der das getan hat, und du wirst viel leiden; die Götter sind erzürnt gegen dich.«

»Ja,« fügte ein anderer hinzu, indem er auf die Schlucht wies, »wer diesen Pfad betritt und kein Raot ist, wird von einem großen Mißgeschick betroffen werden.«

»Kusch paruani, sahib! Macht nichts, Herr!« unterbrach ihn der Führer, »sie sind nur Barbaren, sie wissen es nicht besser; ich selbst bin noch nie hier gewesen und setze voraus, daß auch ich meinen Teil davon abbekommen werde.«

»Auch du wirst leiden!« sagte der alte Mann mit Selbstbewußtsein.

Die Raot standen schweigend um mich, während ich meine Kamera einpackte, und ich fühlte, daß sie mich als einen ansahen, dessen Geschick beschlossen war. Sie beachteten meinen Abschiedsgruß nicht, und wäre ich nur im mindesten abergläubisch gewesen, so hätten sie es mir mit ihrer feierlichem törichten Ernsthaftigkeit ganz unbehaglich machen können. –

Später, als ich Todesqualen der Hölle litt und in einem Augenblick mein ganzes früheres Leben noch einmal zu durchleben glaubte, kam mir dies alles mit entsetzlicher Deutlichkeit in das Gedächtnis zurück!

Drittes Kapitel.
Berggeister.