Das sind die sanften Tibeter! Ein Volk von Eremiten, das in einem verschlossenen Lande wohnt! –

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Tschanden Sing, stets bemüht, höflich und hilfreich zu sein, wollte nichts davon hören, daß ich meine Skizzen- und Notizbücher, wie ich es stets gewohnt gewesen, selber trüge. Er bestand darauf, dies für mich zu tun.

»Hum pagal neh, ich bin kein Narr,« sagte er mit der Miene einer tiefgekränkten Seele, »ich werde gut auf sie achtgeben.«

Nachdem wir zuerst bis zum Doliflusse hinabgestiegen waren, der 240 Meter tiefer als Chela liegt, und den Fluß auf einer hölzernen Brücke überschritten hatten, stiegen wir einen steilen Weg hinauf. Das Zickzack bergaufwärts schien kein Ende zu nehmen. Hin und wieder löschten wir unsern Durst an dem kristallklaren Wasser einer Quelle, die hochwillkommen war bei diesem langweiligen Aufstieg unter glühender Sonne. Elf Kilometer hinter Chela waren wir schon wieder zu 2171 Meter Höhe emporgelangt. Von hier aus wurde der Aufstieg weniger ermüdend. Doch stiegen wir noch 3½ Kilometer weiter bis zu 2272 Meter, wo wir in Pungo im Schatten herrlicher alter Bäume eine Frühstücksrast machten.

Hier kamen wir in das erste bewohnte Dorf der Schokas, die gewöhnlich, aber fälschlich Botiya genannt werden. Der Teil ihres Landes, in dem ich mich jetzt befand, führt den Namen Tschaudas.

Eine angenehme Überraschung erwartete mich hier. Ein schmuck aussehender Bursche in halb europäischer Kleidung trat ungeniert vor mich hin, streckte mir die Hand entgegen und schüttelte lange Zeit die meine recht jovial und freundschaftlich.

»Ich bin ein Christ«, sagte er.

»Das konnte ich mir nach der Art deines Handschüttelns denken.«

»Ja,« fuhr er fort, »ich habe etwas Milch, etwas Tschapati (Brot der Eingeborenen) und einige Nüsse für dich bereit; bitte, nimm sie an.«