»Ich danke dir,« sagte ich, »du scheinst kein schlechter Christ zu sein. Wie heißt du?«
»G. B. Walter, mein Herr. Ich unterrichte in der Schule.«
Eine Menge Schokas hatte sich inzwischen zugesellt. Als ihre erste Schüchternheit überwunden war, zeigten sie sich höflich und freundlich. Die Naivität und das anmutige Benehmen der Schokamädchen fiel mir bei dieser meiner ersten Bekanntschaft mit ihnen besonders auf. Viel weniger scheu als die Männer, kamen sie näher, scherzten und lachten, als ob sie mich ihr Leben lang gekannt hätten. Ich schickte mich an, zwei oder drei der hübschesten von ihnen zu zeichnen.
»Wo ist mein Skizzenbuch, Tschanden Sing?« fragte ich meinen Träger.
»Hazur hum mallum neh! Ich weiß es nicht, Herr«, lautete seine melancholische Antwort, während er seine leeren Taschen durchsuchte.
»So, du Schurke! Paßt du so auf meine Tagebücher und Skizzen auf! Was hast du mit ihnen gemacht?«
»O, Sahib, als ich am Doli Wasser trank, hatte ich das Buch noch in der Hand. Ich muß es auf einem Stein haben liegen lassen, als ich mich bückte, um zu trinken«, erklärte der arme Kerl.
Selbstverständlich wurde Tschanden Sing schleunigst nach der angegebenen Stelle zurückgeschickt, mit der strengen Weisung, sich ohne das Buch nie wieder vor mir sehen zu lassen.
Ich brachte zwei angenehme Stunden damit zu, mir die primitiven Webstühle der Schokas, ihre Art des Spinnens und der Herstellung von Stoffen erklären zu lassen. Die Webstühle der Schokas gleichen in jeder Hinsicht den bei den eigentlichen Tibetern üblichen.