Bei der Ankunft zu Hause lag es ihnen ob, reichlich für das Vergnügen der Seele des Verstorbenen zu sorgen. Eine aus Stroh und Stöcken hergestellte rohe Gliederpuppe wurde von ihnen mit den Kleidern des Verstorbenen angezogen und mit indischen, gold-, rot- und blaugestickten Geweben überdeckt; auf den Kopf wurde ein Turban gesetzt.

An jedem Tage der Feierlichkeiten, die drei oder vier Tage dauerten, wurden Reis, gebackener Weizen und Wein vor die Puppe gestellt, bis die Auswanderung der Seele aus der Gliederpuppe in ein lebendes Schaf oder in einen Jak stattfindet.

Nach einigen Tagen wird die Gliederpuppe aus dem Zimmer entweder vor das Wohnhaus oder nach irgendeiner malerischen Stelle im Walde getragen. Schalen mit Speisen werden vor sie gesetzt, und ein Tanz nach einer seltsamen, sentimentalen Melodie beginnt mit anmutigen Drehungen der Mädchen und Frauen, die große Stücke weißen Stoffes schwenken.

Nachmittags schließen sich die Männer der Aufführung an, und obgleich ihr Tanz in der Hauptsache dieselben charakteristischen Eigenheiten und Bewegungen hat wie der Tanz der Frauen, so ist er gewöhnlich viel ungestümer, so daß er fast den Charakter eines Kriegstanzes trägt.

Wenn anzunehmen ist, daß die Puppe sich gesättigt hat, wird die ganze Schar der Leidtragenden von der Familie mit Zucker, geröstetem Mais, Reis, Süßigkeiten, Ghur und Miseri bewirtet. Während das Volk ißt, kehren die Damen des Hauses unter raschem Trommelschlag zu dem Bildnis zurück und verneigen sich wieder in feierlichen, lang anhaltenden Verbeugungen.

Tötung des geopferten Jaks.

Schließlich wird das zum Opfer bestimmte Tier, eine Ziege oder ein Jak, unter dem Abfeuern von Gewehren, dem Geheul, Gekreisch und betäubenden Gezische der versammelten Menge vor die Gliederpuppe gezogen. Um seine Hörner sind lange bunte Bänder gewunden, deren Enden an der Seite des Kopfes herabhängen. Unter den Nüstern des Tieres wird Sandelholz verbrannt, was nach dem Glauben der Schokas die Seele des Verstorbenen veranlaßt, sich in dem Tiere niederzulassen. Die Kleider, der Turban, der Schild, die Juwelen werden der Gliederpuppe vom Leibe gerissen und auf die Ziege gepackt, die jetzt die Verkörperung des Verstorbenen ist. Sie wird gefüttert, bis sie nichts mehr aufnehmen kann; Wein und Branntwein werden ihr in den Hals gegossen und große Schüsseln mit allen möglichen Leckereien vor sie hingestellt. Die weiblichen Verwandten widmen dem Tiere ihre zärtlichste Zuneigung und vergießen Tränen über ihm, in der Überzeugung, daß es den Geist ihres verlorenen Beschützers enthält. Mit Speise vollgepfropft und durch den Alkohol betäubt, unterwirft sich das Tier gefühllos und regungslos den wilden Liebkosungen, Gebeten und Salaams, die über dasselbe ausgegossen werden. Wieder fängt das Zischen, Pfeifen und Kreischen an, und man stürzt auf das Tier los, das bei den Hörnern, dem Schwanze und überall, wo es gepackt werden kann, ergriffen und gestoßen, geschlagen und endlich zum Dorfe hinausgejagt wird, nachdem ihm Kleider, Schild, Schwert, Turban und Schmucksachen vom Rücken gerissen worden sind. Es wird schließlich den Hunyas übergeben, die bei diesen Gelegenheiten aus der Einfalt der Schokas Vorteil ziehen und die es niederwerfen, ihm den Leib aufschlitzen und das Herz herausreißen oder dieses mit einem schnellen Ruck umdrehen, der augenblicklich tötet.

Diese Methode wird bei Schafen oder Ziegen angewendet. Wenn ein Jak geopfert wird, so finden fast die nämlichen Gebräuche statt, bis zu dem Augenblick, da die Puppe ihrer Kleider beraubt und der Jak mit ihnen bekleidet wird. Er wird ebenfalls geschlagen und herumgezogen und auf dem Gipfel eines Berges verlassen, während die Menge ihm nachruft: »Geh! Geh! Wir haben dich gefeiert, verehrt und gefüttert! Wir haben alles, was in unsern Kräften stand, für dein Wohlergehen getan. Mehr können wir nicht tun! Jetzt geh!« Hiermit wird der Jak mit der in ihn hineingetriebenen Seele seinem Schicksal überlassen, und sobald die Schokas fortgegangen sind, wird er von den Tibetern, gegen deren Glauben es geht, einem Jak Blut zu entziehen, in einen Abgrund getrieben. Bei dem verhängnisvollen Sprung wird das Tier in Stücke zerschmettert, und die Tibeter sammeln die Überreste und essen sich an dem geschätzten Fleische ihres geliebten Jak voll.

Wenn alles vorüber ist, wird dem Toten etwas von seinem Besitze zurückerstattet, und einzelne Gegenstände, wie messingene Schalen, eine Flinte, ein Schild oder Schwert, werden in eine heilige Höhle gelegt, die niemand durch Fortnahme eines Gegenstandes zu entweihen wagt. Diese Höhlen liegen hoch oben an den Abhängen der Berge und sollen voll von heiligen Opfergaben sein, die sich während der Jahrhunderte dort angehäuft haben.