Das Rauchen war allgemein, wobei jedes Paar zusammen eine Pfeife benutzte. Einige in die Wand gesteckte brennende Tannenscheite bilden neben dem in der Mitte des Zimmers langsam brennenden Feuer die einzige Beleuchtung. Mit dem Herannahen des Morgens machte sich der Schlaf geltend, und bald zogen sich alle paarweise zurück und legten sich in ihren Kleidern auf einer weichen Unterlage von Stroh und Gras neben den Hütten zum Schlafen nieder. Dort ruhten sie friedlich in einer Reihe, während ich nach meiner Behausung zurückging inmitten des betäubenden Bellens herrenloser Hunde.

Durch diese Versammlungen kommt jedes Schokamädchen regelmäßig mit jungen Männern zusammen, und während sie den Gedanken hegt, unter ihnen einen passenden Lebensgefährten zu wählen, leistet sie mit ihrem Spinnrade eine beträchtliche Arbeit. Wenn ein Paar die Heirat beabsichtigt, geht der junge Mann, mit seinen besten Kleidern angetan, in das Haus seines zukünftigen Schwiegervaters, indem er einen Topf mit Tschökti, getrocknete Früchte, Ghur (süßer Brei), Miseri (Kandiszucker) und geröstetes Korn mitbringt. Wenn der Bräutigam als eine passende Partie erscheint, empfangen die Eltern des Mädchens den jungen Mann mit gebührender Achtung und beteiligen sich herzhaft an dem von ihm angebotenen Essen und Trinken. Die Heirat wird auf der Stelle abgemacht, und der Bräutigam zahlt dem Vater eine Summe von nicht unter fünf und nicht über hundert Rupien aus. Das ist die Etikette der »guten Gesellschaft« bei den Schokas und der Leute, welche die Mittel dazu haben. Diese Bezahlung wird »Milchgeld« genannt, d. h. Geld, das der Summe entspricht, die die Verwandten des Mädchens für dessen Aufziehen verwendet haben.

Die Hochzeitszeremonie ist ziemlich einfach. Ein Kuchen, Delang genannt, wird gebacken, von dem die Freunde der beiden Familien essen. Wenn der Bräutigam oder die Braut sich weigert, ihren Anteil von dem Kuchen anzunehmen, ist die Verlobung aufgehoben; wenn sie beide etwas von dem Kuchen essen und später ein Zwist zwischen ihnen entsteht, werden alle diejenigen, die der Handlung beiwohnten, als Zeugen dafür aufgerufen, daß die Heirat stattgefunden habe.

Oft schenkt man sich sogar diese einfache Zeremonie, und die Ehen der Schokas werden als glückliche und treue Verbindungen angefangen und fortgeführt, ohne daß irgendeine besondere Form von Gottesdienst oder Ritus den Bund heiligt.

Den Ehebruch bestrafen sie nicht nur an dem schuldigen Manne selbst, indem sie ihn schlagen, sondern die Männer begeben sich auch in Haufen nach dem Hause seiner Eltern und berauben dasselbe des ganzen Hausrats, der Vorräte an Korn und Waren. Sie konfiszieren die Schafe, Ziegen, Jake und alle wertvollen Sättel und Lasten und schenken alles dem Manne, dessen Frau verführt worden ist, als eine Entschädigung für die erlittene Unbill. Oft auch werden die unschuldigen Verwandten des Missetäters von den Bewohnern des Dorfes gebunden und totgeschlagen. Man befolgt diese strengen Maßregeln, um einen hohen Standpunkt von Sittlichkeit und Ehre zu bewahren, und dieser Brauch, so barbarisch er auch erscheinen mag, findet seine Rechtfertigung doch durch die guten Resultate in bezug auf die allgemeine Moralität. Es gibt mit Ausnahme von gelegentlichen Rambangkindern nur sehr wenige außereheliche Geburten. Die erstern sind aber so verabscheut, daß das Vorkommnis nicht als eine ernstliche Herabwürdigung des Rambang betrachtet werden kann.

Die Schokas schreiben den Tod dem Entweichen der Seele aus dem Körper zu, und dieser Vorstellung entspringt die merkwürdige Verehrung, die sie dem Gedächtnis der Toten erweisen.

Ich war Zeuge von nicht weniger als sechs Leichenfeiern, die seltsam genug sind, um eine davon zu beschreiben.

Ein Mann war infolge eines Unglücksfalls eines schmerzvollen Todes gestorben. Augenblicklich wurde nach seinen Freunden geschickt, und nachdem der Körper mit Butter gesalbt worden war, wurde er in die besten Gewänder gekleidet. Ehe die Erstarrung eintrat, bogen sie den Körper zusammen und legten ihn auf eine flüchtig zusammengefügte Bahre. Er wurde mit einem in Blau und Gold gestickten Tuch, über dem ein weißes lag, bedeckt. Bei Sonnenaufgang verließ der Leichenzug das Haus, um nach dem Verbrennungsorte zu gehen. Den Zug eröffneten zehn Frauen, deren Köpfe mit einem langen Streifen von weißem Baumwollzeuge umwickelt waren, dessen eines Ende an die Bahre gebunden war. Unter ihnen waren die nächsten Verwandten des Verstorbenen, seine Frau und seine Töchter, die »Oh bajo! Oh bajo! O Vater! O Vater!« schrien und klagten, während die übrigen schluchzten und große Trauer zur Schau trugen. Da der Verstorbene allgemein beliebt gewesen war, kamen die Dorfbewohner vollzählig heraus, um ihm die letzte Ehre zu erweisen, und nahmen ihre Plätze in dem Zuge ein, während dieser seinen Weg langsam dem Flusse zu nahm.

Der Leichnam wurde vorläufig an das Ufer des Flusses gelegt, während alle Männer barhäuptig große Steine und Holzstücke sammelten. Ein kreisrunder Verbrennungsofen, 1,5 Meter hoch, zirka 2 Meter im Durchmesser, mit einer Öffnung an der dem Winde zugekehrten Seite, wurde damit am Ufer errichtet. Alle wertvollen Gegenstände, seine goldenen Ohrringe, sein silbernes Gürtelschloß und die silbernen Armbänder wurden dem Toten schnell fortgenommen, und ein großes Messer wurde zu irgendeinem Zwecke benutzt, den ich nicht feststellen konnte, wenn es nicht der war, die Ohrläppchen des Toten damit aufzuschlitzen, um seine Ohrringe schneller zu entfernen. Auf den Körper wurden Tannenzweige gelegt und ein großer Topf mit Butter neben ihn gestellt. Eine Messingschale voll Wein wurde über den Kopf gegossen und dann unter tiefem Schweigen Feuer an den Holzstoß gelegt.

Nach dem Dorfe zurückkehrend, schrien und klagten die Frauen, indem sie die Kleider des Verstorbenen und seine Messingschalen nach dem Hause zurücktrugen.