»Wo ist euer Sohn?«
»Du wirst ihn ein wenig weiter unten finden, Sahib.«
Wilde Esel.
Ich fand ihn mit vier andern in einem Haufen am Boden liegend. Einer von ihnen versuchte aufzustehen und rief aus: »Katschi, steh’ auf, hier ist der Sahib«, fiel aber dann wieder um. Katschi gab kein Lebenszeichen von sich, und ich entdeckte, daß sie in einem Zustande hoffnungslosen Rausches waren. Arm in Arm lagen sie da, wie sie hingefallen waren, und schliefen.
Aufstieg zum Lumpiyapaß.
Neben Katschi lag Dola, sein Onkel, der in der vierfachen Eigenschaft als Dolmetscher, Träger, als Diener Katschis und als Koch angestellt war, in welch letzterer Kunst er nach Schokaart ein wahrer Meister war, dessen Ruhm sich über ganz Bias verbreitet hatte. Er war deshalb ein Schatz, den man nicht leichtsinnig aufgeben durfte, und ich mußte jetzt, wo ich schnell und entschieden handeln wollte, ernstlich erwägen, ob ich vorwärts gehen sollte, während zwei der wichtigsten Schauspieler in meinem Stück unfähig waren. Würde ich, durch diese halben Leichen behindert, imstande sein, ungesehen an der aufmerksamen tibetischen Wache bei der Tschongurbrücke, nur wenige hundert Meter von hier, vorüberzukommen?
Ich beschloß, es zu versuchen. Indem ich auf jeder Seite einen unter dem Arme ergriff, stützte ich sie und hielt sie aufrecht. Es war kein leichtes Stück Arbeit, und ich fühlte, wie unsere Geschwindigkeit mit jedem Schritte zunahm, während ich mit meinen taumelnden Genossen den steilen, schlüpfrigen Pfad hinabstieg. Mit halsbrecherischer Schnelligkeit erreichten wir den Fuß des Hügels, und da der Pfad am Rande des Wassers schmal war, war es ein Wunder, daß wir nicht alle drei im Fluß ein unfreiwilliges Bad nahmen. Als wir so plötzlich anhielten, fielen meine beiden Schützlinge wieder gänzlich in sich zusammen, und ich war so erschöpft, daß ich mich hinsetzen und ausruhen mußte.
Katschi Ram hatte einen lichten Augenblick. Er sah um sich und erblickte mich zum erstenmal an diesem Abend.