»Sahib, – ich – bin – be–trunken«, preßte er heraus, indem er zwischen jedem Worte eine lange Pause machte.

»Und ob!« sagte ich.

»Wir Schokas haben diese böse Gewohnheit«, fuhr er fort. »Ich mußte mit allen meinen Verwandten und Freunden Tschökti trinken, bevor ich zu dieser langen Reise aufbrach. Sie würden beleidigt gewesen sein, wenn ich nicht mit jedem einen Becher Wein getrunken hätte. Ich sehe jetzt alles im Kreise herumgehen; bitte, stecke meinen Kopf in kaltes Wasser. O der Mond tanzt umher und ist jetzt unter meinen Füßen!«

Ich erfüllte seine Bitte und gab sowohl seinem als auch Dolas Kopf in dem eisigen Kali eine Taufe.

Dies hatte die unglückliche Wirkung, sie in einen so festen Schlaf zu versetzen, daß ich glaubte, sie würden nie wieder erwachen. Einige der nüchternen Schokas erboten sich, die beiden hilflosen Leute auf dem Rücken zu tragen. Wir verschwendeten die kostbare Zeit, und der Himmel bewölkte sich unterdessen.

Als der Mond hinter dem hohen Berge verschwunden war, ging ich voraus, um zu rekognoszieren. Überall Finsternis, nur hier und da flimmerte ein glänzender Stern am Himmel. Ich kroch nach der Brücke und horchte; kein Ton, kein Licht am entgegengesetzten Ufer, alles still, jene Totenstille der im Schlaf liegenden Natur und des schlafenden menschlichen Lebens.

Ich betrat die Brücke. Sie ist mit Hilfe eines großen Felsblocks in der Mitte des Stromes, der als Pfeiler dient, über den Fluß gespannt. Eigentlich sind es also zwei Brücken, die durch den Felsblock verbunden sind. Ich ging vorsichtig über den diesseitigen Teil, stand auf dem Felsen, der die schäumenden Wasser trennt, still, um wieder zu horchen, und bemühte mich, die Finsternis zu durchdringen. Kein Wesen war zu sehen, kein Ton zu hören. Ich schritt über den Felsen und ging auf die andere Hälfte der Brücke zu, als ich zu meinem Entsetzen fand, daß diese zerstört war. Dieser Teil war ganz zusammengestürzt; mit Ausnahme eines langen Balkens, der noch mit seinem einen Ende unten in dem reißenden Wasser hin und her schwankte, und einiger Bretter war alles fortgespült worden.

Ich kehrte zu meinen Leuten zurück.

»Wir müssen unsern Weg auf dieser Seite des Flusses fortsetzen«, flüsterte ich ihnen zu. »Die Tibeter haben die Brücke zerstört.«

»Der Pfad ist bezeichnet,« antworteten sie, »aber bei Nacht ist er ungangbar.«