In Gedanken versunken ging ich schnell weiter, und der schroffe Weg erschien mir kurz und bequem. Ich fand einen passenden Platz für unser nächstes Lager. Hier standen vor mir und auf jeder Seite hohe, schneebedeckte Berge. Dort, mir gegenüber, ragte derselbe Lumpiyapaß empor, über den ich mit großen Hoffnungen nach Tibet hineingezogen war. Ich verabscheute in diesem Augenblick seinen Anblick; seine Schneefelder schienen meines Mißerfolgs zu spotten.
Ehe wir Zeit hatten, unsere Zelte aufzuschlagen, hatte der Wind, der den ganzen Nachmittag stark gewesen war, zehnfach an Wut zugenommen. Die Wolken über uns waren wild und drohend, und bald fiel Schnee in dichten Flocken.
»Was wollen Sie tun?« fragte mich der Doktor. »Ich dächte, Sie täten besser, nach Garbyang zurückzukehren, neue Leute zu nehmen und noch einmal anzufangen.«
»Nein, Doktor, lieber will ich sterben, als diesen Marsch nach rückwärts fortsetzen. Die Chancen werden besser sein, wenn ich allein gehe. Ich habe beschlossen, heute abend aufzubrechen; denn ich bin überzeugt, daß ich meinen Weg über das Gebirge finden werde.«
»Nein, nein, es ist unmöglich, Landor«, bat der Doktor mit Tränen in den Augen. »Für jeden, der es versucht, bedeutet es den sichern Tod.«
Ich sagte ihm, daß ich fest entschlossen sei. Der arme Doktor war verblüfft. Er wußte, daß der Versuch, mir abzuraten, nutzlos war. Ich ging in das Zelt, um mein Gepäck nochmals zu arrangieren und zu verringern, und machte eine Last zurecht, die klein genug war, um sie neben der täglichen Marschausrüstung und den Instrumenten auf meinem Rücken zu tragen.
Während ich Vorbereitungen für meine Reise traf, trat Katschi Ram ins Zelt. Er sah erschreckt und bestürzt aus.
»Was tust du, Herr?« fragte er hastig. »Der Doktor sagt, du willst heute nacht allein über das Gebirge und ganz allein nach Lhasa gehen.«
»Ja, das ist wahr.«
»O, Herr, die Gefahren sind zu groß, du kannst nicht gehen.«