Das froh und lebenslustig quillt.
Die Schöne bleibt sich selber selig;
Die Anmut macht unwiderstehlich,
Wie Helena, da ich sie trug.
Ja, sie hat recht, sie darf sich als Königin, als Göttin fühlen! So zieht sie denn hoch erhobnen Hauptes, mit anmutiger Gebärde den rötlichen Schleier haltend, der von dem blendenden Körper herabzufallen droht, als Herrscherin ein in ihr neues Reich, Glück spendend schon allein durch ihr Dasein. Richtet man ihr, der Göttin, nicht dort schon den Altar? Welch herrliche Festesstunden wird sie erleben im fröhlichen Spiel auf den sanften grünen Wiesen, oder ruhend im Schatten der geheimnisvoll-dunklen Büsche, hingegeben dem sanften Klang der fernher tönenden Hirtenflöte, oder oben auf der ragenden Bergesspitze, wenn sie einmal das Bedürfnis hat, ihre Seele in voller Einsamkeit auszuweiten und ganz mit Gott und der Natur eins zu sein! Jetzt erst wird das wahre Leben beginnen, ein Genießen, das nicht gemein macht, sondern erhebt, das eigene Selbst erhöht und in die Unendlichkeit aufgehen läßt. Der Seele Feiertag hebt an!
Auch das ist Religion. Der christliche Gedanke einer Belohnung im Jenseits für ein Leben voll Güte und Reinheit, für ein nie aufhörendes Ringen nach Vervollkommnung, für eine irdische Laufbahn, an deren Schluß der tröstende Engelsang ertönt, der die Seele der Gnade der himmlischen Mächte gewiß macht:
Wer immer strebend sich bemüht,
Den können wir erlösen
— hier ist er durch die Kunst des Malers ins Heidnisch-Antike gewendet. Wir atmen die Luft des alten Griechenlands, wir fühlen den Geist jener glücklichen Heldenzeit, in der Kraft, Schönheit, Anmut inmitten einer gottbegnadeten Natur unter südlichem Himmel sich ungehemmt entfalten durften, in der die Menschen, vollsaftig, schön und gut, kindlich und lebensfroh, ringsum in der Natur Götter, Halbgötter und fabelhafte Zwischenwesen zu spüren meinten, in Baum und Fluß, in Strauch und Tier lebende Wesen verehrten und sich selbst als Götter fühlten.
So liegt religiöse Feierstimmung über diesem Bilde, und sie wird durch die leuchtende Pracht der tiefen, satten Farben noch gesteigert. Wie träumerisch und seltsam erwartungsvoll stimmt uns das tiefe Blau in seinen fein erwogenen Abstufungen, wie wird unser Auge durch das herrliche Grün erquickt, das in mannigfachster Stärke vom zartesten bis zum tiefdunklen Ton das Ganze durchzieht und frohe Hoffnung weckt! Und gibt nicht das schimmernde Rot, zumal das merkwürdige Krapp des Schleiers und das strahlende Weiß der Schwäne und Wolken gerade in Verbindung mit den blauen Farbenwerten den Eindruck des Festlichen? Spüren wir nicht pulsierendes Leben in den hellgetönten Körpern, und den Ernst des Daseins, wenn wir in das Dunkel der Felsengrotte schauen, die den Weg zum Hades allen weist, die nicht des Götterglückes würdig sind?