Majestätisch rein bewegt.
Ruhig schwebend, zart gesellig,
Aber stolz und selbstgefällig,
Wie sich Haupt und Schnabel regt ...
Sie fühlen sich recht wichtig, wie sie von beiden Seiten in großen Bogen würdevoll heranschwimmen, halb neugierig fragend, halb geheimnisvoll-feierlich Ungeahntes kündend. Fast ein wenig aufdringlich scheinen sie den Zugang wahren oder doch prüfen zu wollen, ob der getreue Grenzwächter auf seinem breiten, braunen Rücken auch eine würdige Last herübertrage; ganz erfüllt sind sie von der Herrlichkeit der Dinge, die hier zu schauen sind. Aber Chiron stemmt den Arm in die Seite und ist spöttisch gestimmt. Er hat sein weißes Haar festlich bekränzt, und sein Herz ist voll Neigung zu dem reizvollen Wesen, das auf ihm ruht und seinen Hals so wonnesam umfängt; ihm ist der Augenblick zu kostbar und seine Last zu lieb, um Neugierigen und Propheten Rede zu stehen; halb belustigt, halb verächtlich bannt er sie durch seinen Blick: Was wollt ihr Wichtigtuer? Kümmert euch um euch!
In ähnlicher Spannung wie die Schwäne harrt der Ankommenden ein auf dem Rasen zwischen den Stämmen am Landungswege ruhendes Liebespaar. Erwartungsvoll richten sie sich ein wenig auf: Wer bist du, königliche Frau, so erhaben und doch so lieblich, der die Götter erlauben, mit uns das Paradies zu teilen? In der Ferne, sich klar abhebend von einer einsamen lichten Baumgruppe, sieht man Jünglinge mit Tamburinen und Jungfrauen mit Girlanden in strahlenden, rot, goldgelb und rosa blinkenden Gewändern; sie führen einen festlichen Reigen auf um einen hellen Altar und sind der hohen Frau gewärtig zu freudigem Empfang: ein Götterbote hat verkündet, wer da kommt. An ihnen vorbei blickt man weit hinein in die lachende sonnige Ebene, bis hin zu den sanft schwellenden Hügeln am fernen Horizont.
Vorbei zieht die Kommende an der dunklen Felsengrotte, die schauerlich geheimnisvolle Tiefen birgt: an jenem Eingang zu der traurigen Stätte ewigen Todes, wo die leiblosen Schatten ein dumpf-bewußtloses Dasein führen. Ihr winkt die strahlende Sonne paradiesischer Freude und ungetrübten Glückes, ein erhöhtes Leben voll Genuß und Schönheit, unter südlich leuchtendem Himmel, in vollkommenem Einklang mit der Natur, in seligster Harmonie mit Wesen von gleicher Feierstimmung. Es ist Helena, die lieblichste der Frauen, die Gattin des Menelaos, die einst Paris freventlich entführte, um derentwillen dann der männermordende Trojanische Krieg entbrannte; jetzt ist sie den Ihren daheim gestorben und geht zur Seligkeit ein in das traumhafte Reich ewigen Lichtes, reinster Schönheit, nie aufhörender Wonne. Alles Schwere und Trübe des Erdendaseins ist abgestreift, golden liegt die Zukunft vor ihr. Unter Göttern und Heroen, mit den edelsten Helden der Vorzeit und den blühendsten Mädchen und Frauen vergangener Tage wird sie leben in unverwelkbarer Jugendschöne und unbekümmerter Heiterkeit, in sieghafter Anmut, liebend und geliebt, ein einziges großes Fest feiernd. Von ihr, die so vieles erlebt, die aller Menschen und selbst der Greise Herz rührte, die von allen Dichtern als die Herrlichste auf Erden gepriesen ward, der die gütige Parze zur Schönheit noch alle beglückenden Gaben des Geistes und Herzens in die Wiege legte, von ihr wird Chiron mit den Goetheschen Versen reden, wenn er später dieses Augenblicks gedenkt:
Was! ... Frauenschönheit will nichts heißen,
Ist gar zu oft ein starres Bild;
Nur solch ein Wesen kann ich preisen,