Zwei schöne Freuden waren dem Künstler noch beschieden: seine langjährige Arbeit für den Kaiser Maximilian (den „letzten Ritter“), dessen Gebetbuch er mit den wundersamsten Randzeichnungen versah, und eine Reise nach den Niederlanden (1520), wo man ihn als den größten Künstler des Nordens feierte. In den Gemälden seiner Spätzeit gab er noch den ganzen Reichtum seines Innern her, der unversiegbar schien, so in den Meisterbildnissen des Kaisers Maximilian, des Erasmus, des Hieronymus Holzschuher; in Altarwerken und Madonnenbildern; zuletzt in den „vier Evangelisten“ (München), seinem ergreifendsten religiösen Bekenntnis in der Kunst.

Als Albrecht Dürer am 6. April 1528 in seiner Vaterstadt starb, betrauerte ihn sein ganzes Volk. Aber die Saat, die er gesät, war herrlich aufgegangen. In ewiger Jugend steht er heute als Mensch und Künstler vor uns. Sein leuchtendes Auge scheint uns durch alle Irrungen und Wirrungen der Zeit zu begleiten und die Unvergänglichkeit des deutschen Geistes zu verbürgen. Seine Kunst ist mächtig, stark und sieghaft wie das Lutherlied „Ein’ feste Burg ist unser Gott“... Und wir denken an Wagners Worte aus den „Meistersingern von Nürnberg“:

Ehrt eure deutschen Meister,

So bannt ihr gute Geister!

Felix Lorenz.

[C] Sprich: tschinkwetschénto, womit man kunstgeschichtlich das 16. Jahrhundert bezeichnet.

Das Paradies
Von Lukas Cranach

Geboren 4. Oktober 1472 in Kronach (Franken), gestorben 16. Oktober 1553 in Weimar. — Kunsthistorische Sammlungen in Wien

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