Inhaltsverzeichnis.
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| [1. Kapitel:] | Christinas Herkunft und Kindheit | 1 |
| [2. Kapitel:] | Christina bei den Beginen in Cöln | 9 |
| [3. Kapitel:] | Christina in Stommeln bis zum ersten Besuch des Petrus von Dazien (1259-1277) | 19 |
| [4. Kapitel:] | Zur Beurteilung des Dämonischen | 24 |
| [5. Kapitel:] | Erster Besuch des Petrus von Dazien bei Christina im Advent 1267 | 39 |
| [6. Kapitel:] | Zweiter Besuch des Petrus. Christinas Entrückung und Seelenjubel | 45 |
| [7. Kapitel:] | Dritter und vierter Besuch des Petrus. Christina empfängt die Wundmale des Herrn | 49 |
| [8. Kapitel:] | Drei weitere Besuche des Petrus an den Festen Kreuzauffindung, Pfingsten u. Maria Magdalena | 56 |
| [9. Kapitel:] | Achter, neunter und zehnter Besuch des Petrus zu Allerheiligen, im Advent und zu Weihnachten 1268. — Seelenjubel, Besudelung | 64 |
| [10. Kapitel:] | Fastenzeit des Jahres 1269. Sinnliche Versuchung. Elfter und zwölfter Besuch des Petrus | 74 |
| [11. Kapitel:] | Christinas Briefwechsel mit Petrus während dessen Aufenthalt in Paris (Mai 1269 bis Juli 1270) | 84 |
| [12. Kapitel:] | Besuche des Petrus in Stommeln bei seiner Rückkehr von Paris. | 97 |
| [13. Kapitel:] | Briefwechsel nach des Petrus Rückreise nach Schweden. Christinas Eltern und Pfarrer Johannes sterben. 1270-1279 | 101 |
| [14. Kapitel:] | Bruder Petrus kommt aus Schweden nach Stommeln, um Christina zu besuchen. 1279 | 113 |
| [15. Kapitel:] | Vom Advent 1279 bis zum Advent 1280 | 118 |
| [16. Kapitel:] | Christina bewirkt die Bekehrung der Sünder und die Befreiung der armen Seelen aus dem Fegfeuer | 135 |
| [17. Kapitel:] | Christinas letzte Prüfungen, friedevoller Lebensabend und seliges Ende. | 149 |
| [18. Kapitel:] | Christinas Verehrung nach dem Tode und deren Bestätigung durch Papst Pius X. | 162 |
Verzeichnis der Abbildungen.
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- [→ ]Haupt der h. Christina von Stommeln.
- [→ ]Kirchhügel zu Stommeln.
- [→ ]Beginenfigur (14. Jahrh.).
- [→ ]Bild Christinas aus der Cölner Kartause (vor 1639).
- [→ ]Handschuh und Buchtäschchen Christinas.
- [→ ]Gebetstäfelchen Christinas.
- [→ ]Bild Christinas am Cölner Dom.
- [→ ]Grabstätte Christinas zu Stommeln.
- [→ ]Krankenhaus „Maria-Hilf“ zu Stommeln.
- [→ ]Christinenaltar in der neuen Pfarrkirche zu Stommeln.
- [→ ]Altes Grabmal Christinas zu Jülich.
- [→ ]Bild Christinas vom alten Grabmal zu Jülich.
- [→ ]Christinenkapelle in der Pfarrkirche zu Jülich.
Erstes Kapitel.
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Christinas Herkunft und Kindheit.
Eine Passionsblume erblühte im alten Jülicherland, viele hundert Jahre sind es her. Gar lieblich war ihr Duft und tief purpurn ihre Farbe. Entzückt neigten sich Gottes Enkel über sie und gute Menschen staunten sie bewundernd an. Auch heute noch ist ihr Duft nicht verweht und ihre Farbenglut nicht verblaßt. Im Gegenteil, köstlicher als je weht uns in diesem Jahre der Wohlgeruch ihrer Tugenden entgegen, herrlicher als je prangt heuer ihr verehrungswürdiger Name. Am 6. November dieses Jahres werden nämlich sechshundert Jahre verflossen sein, seitdem diese Blume aus dem Garten der Cölner Kirche ins himmlische Paradies verpflanzt wurde. Die selige Christina von Stommeln meine ich, die im Jahre 1242 zu Stommeln geboren wurde, dort am 6. November 1312 starb, seit dem 22. Juni 1586 in einem Hochgrabe in der Hauptkirche zu Jülich ruht und deren unvordenkliche Verehrung durch Papst Pius X. am 12. August 1908 die höchste Bestätigung erhielt.
In eine gewaltig bewegte Zeit fiel das Leben Christinas. Ein jugendfrisches Geschlecht bevölkerte damals unsere heimischen Gauen, das zwar mit Begeisterung dem christlichen Glauben anhing, aber die angestammte heidnische Wildheit noch nicht vollständig überwunden hatte. Christlicher Heldensinn und lasterhafter Frevelmut, zarte Gottinnigkeit und leidenschaftliche Roheit, grausige Verbrechen und strenge Bußübung gedeihen nebeneinander. Es ist das Zeitalter, in dem Papst und Kaiser in Fehde lagen, es ist das Zeitalter der letzten Kreuzzüge, aber auch die kaiserlose, schreckliche Zeit, in der Räuberhorden sich allerorts breitmachten, eine Zeit, die an Kampf und Streit ihre Freude hatte, eine Zeit großen Wohlstandes und mächtigen Aufblühens in Handel und Gewerbe, Kunst und Wissenschaft, eine Zeit, wo der ungestüme Freiheitsdrang der Bürger erfolgreich ankämpfte gegen die Macht des Adels und der Geistlichkeit, es ist die Zeit, in der Konradin, der letzte Hohenstaufe, auf dem Blutgerüste zu Neapel sein junges Leben lassen mußte, die Zeit, die den Cölner Dom gebaut, aber auch die streitbaren, herrschgewaltigen Cölner Erzbischöfe im Kerker geschaut.
Das alte Stumbelo, etwa 3½ Stunden nordwestlich von Cöln gelegen, dort, wo die von Cöln über München-Gladbach nach Venlo führende Straße sich kreuzt mit dem von Worringen nach Bergheim gehenden Wege, gehörte zur Grafschaft Jülich, die 1336 zur Markgrafschaft und 1356 zum Herzogtum erhoben wurde.