Alte Leute schmunzeln heute noch, wenn die Rede ist von — kroatischen
Glanzkohlen.

Auf Forstinspektion.

Nach Aufhebung der sogenannten Militärgrenze (8. August 1873) mußten die Wälder zunächst des nordwestlichen Teiles Kroatiens durch eigene Forstkommissäre der Vizegespanschaften neu „eingeschätzt“, auf ihren Wert berechnet, dabei der Forstbetrieb besichtigt werden. Eine schwere Aufgabe für den Geist, aber auch für den Körper der Forstkommissäre, die das in sie gesetzte Vertrauen rechtfertigen wollten. Fehlte die Kenntnis der Landessprache, so war der harte Dienst noch mehr erschwert besonders bezüglich Beschaffung von Unterkunft und Verpflegung. Glücklicherweise waren damals die Waldhüter, Förster, ein Teil der Pfarrer sowie immer die israelitischen Kaufleute in den Dörfern der deutschen Sprache mächtig und gewillt, sich derselben gegenüber den oft hilflosen Forstkommissären zu bedienen.

In der Absicht, das meilenweite, gutbestockte Waldgebirge von Jelenska gornja (oberer Hirschberg) „auf Forstinspektion“ zu durchwandern, stapfte der Kommissär Günter, ein Deutschösterreicher, mit leerem Ränzel und wenigen Brocken der kroatischen Sprache durch das flache Vorland. Der Schritt wurde beschleunigt, als der Beamte gewahrte, daß ihm aus den Waldbergen ein dräuendes Gewitter entgegenkam, Wolken mit allen Anzeichen auf Hagel.

Wollte Herr Günter nicht vom Hagelsturm überrascht werden, mußte der Forstkommissär ein schützend Dach, Unterkunft für etliche Stunden finden. Schutz konnte im nächsten Dorfe Osekovo nur das Pfarrhaus bieten. In der elenden Gastwirtschaft war außer Slibowitz nichts zu haben, der Aufenthalt unmöglich.

Die höfliche Bitte um gütige Erweisung von Gastfreundschaft erfüllte der Pfarrer, ein katholischer Kroate, sofort in aller südslavischen Liebenswürdigkeit, aber verblüffend eilig und wortkarg. Dem Gaste wurden Wein, Käse und Brot auf den Tisch im Wohnzimmer gestellt; dazu sprach der erregte Župnik (Pfarrer): „Bitte, zugreifen! Gesellschaft kann ich nicht leisten! Muß Hagel beobachten, Wetter läuten lassen!“ Und weg war er. Der Kommissär stärkte sich, trat dann an das Fenster und harrte des Losbruches des Hagelsturmes.

Windpurren, heftiges Sausen in den Lüften, atembeklemmender Druck, böige
Stöße; doch kein Tropfen, nicht ein Hagelkorn entfiel dem schweren
Gewölk, das weiter in das Vorland trieb und etwa zwei Stunden von
Osekovo niederging.

Von dem Augenblick an, da für das Dorf und die Felder von Osekovo die Gefahr des Hagelschlages gewichen schien, verstummte das Gewimmer aus dem Glockenturm. In das Wohnzimmer trat der Župnik, rieb sich vergnügt die Hände, schenkte die Gläser voll und hieß den Gast willkommen im Pfarrhause. Nach der Landessitte wurden die Bilikumgläser (Willkommenswein) auf einen Schluck geleert und sogleich wieder gefüllt. Die sonst übliche Feierlichkeit der Überreichung von Salz, Brot und Hausschlüssel auf einer Tablette ließ der Župnik weg; er war zu sehr erfüllt von dem Frohgefühl, daß die Hagelwolken diesmal unschädlich über die Fluren von Osekovo hinweggegangen waren. „Gut für die Parochianen, gut für mich!“

„Sind Hochwürden mit Ökonomie ‚gesegnet!‘“ fragte der Kommissär.

„Gottlob nicht! Bin jedoch an jedem gnädigen Unterbleiben von
Hagelschlag finanziell interessiert!“