„Wieso?“

„Wenn es in und um Osekovo nicht hagelt, das Unwetter in — anderen
Pfarrbezirken niedergeht, bekomme ich über den Zehent hinaus von jedem
Osekovo-Bauern in Getreide die Hagelgratifikation! Auf deutsch:
‚Tempestasdotation‘!“ Der Pfarrer blinzelte luftig, ermunterte zum
Trinken und leerte sein Glas.

Der Kommissär ereiferte sich gegen Aberglauben und Unsinn. Zumal doch der Pfarrer wahrhaftig nichts dafür könne, wenn es hagelt, oder wenn die Gefahr weiterzieht.

Der Župnik nickte. „So hab' ich früher auch geredet, sogar einmal von der Kanzel aus gegen die unsinnige Behauptung polemisiert, daß der Pfarrer, wie dies die Bauern glauben, Hagel machen und Hagel vertreiben könne. Ich tu's nicht wieder! Kein Wort sag' ich dagegen bis an mein Lebensende!“

„Warum?“

„Nach jener Predigt kam ein Bauer, einer der Starosten (Dorfältesten) zu mir und sagte: ‚Sehr schöne Predigt, aber nicht für mich! Denn ich habe Hochwürden im Chorrock und mit Stola schon oft in den — Wolken gesehen, wie Sie den — Hagel verteilten! Kein Mensch weiß, wie der Hagel entsteht; Sie haben von der Kanzel erzählt, wie der Hagel — gemacht wird! Also nütze das Leugnen nichts, daß Sie großen Einfluß haben.‘ — Darauf habe ich, der Župnik, versucht, dem Starost diesen Irrglauben auszureden. Der Starost aber erklärte. ‚Kein Unsinn! Von den Bauern wäre es nur dann dumm, wenn sie einem Župnik, der den Hagel nicht wegschicken kann, weiterhin die Tempestasdotation, die Hagelgratifikation in Getreide, extrig zahlen würden!‘ — Daraufhin habe ich, der schlecht bezahlte Pfarrer, die Bauern doch lieber auf ihrer für mich wohltätigen Meinung gelassen.“

„Begreifliche Unterlassungssünde! Aber doch Versündigung gegen die eigene Überzeugung!“

Der Pfarrer blinzelte und sprach: „Der Herr sind Waldschätzungskommissär! Arbeiten Sie ein Jahr auf Forstinspektion in Kroatien, dann kommen Sie wieder nach Osekovo und bringen Sie Ihre sämtlichen Sünden gegen die Überzeugung mit! Na zdravje! (Zur Gesundheit!) — Grüßen der Herr, falls Sie in Jelenska gornja nächtigen, meinen Amtsbruder, der als — , ‚Wald‘pfarrer oft Hagel hat! Der Kollege wird unter Tempestasdotation für — Hagel_versendung_, für Schutz seiner eigenen Gemeinde mitten im Wald, nicht zu ‚leiden‘ haben! Haha!“

Kommissär Günter mußte einen Happen Schinken essen, noch einen Krug Wein leeren zu Ehren der kroatischen Gastfreundschaft, die immer ihr Bestes, zuweilen sogar das letzte gibt mit einer Bereitwilligkeit, die zu Herzen geht und Ablehnung ausschließt.

Dann setzte Herr Günter die Wanderung fort. Spät erreichte er das
Walddorf Jelenska gornja, wo der Kommissär erst recht auf die
Gastfreundschaft des Pfarrers wegen der Nächtigung angewiesen war.