Knatternde Beilhiebe gegen den Stamm der heiligen Linde. Dumpf,
dröhnend, knatternd, prasselnd. Ein fast kindisches Tun am riesenhaften
Baum; die schärfsten Eisen konnten die Rinde ritzen; nicht aber den
Splint angreifen. Kaum kleine Splitter sprangen ab vom Stamm.
Zurufe des Oberrichters, dem die Vernichtungsarbeit zu langsam vor sich ging, reizten auf, erzwangen den kräftigeren Angriff.
Die Schneide einer Axt wurde schräg angesetzt; mit wuchtigen Hieben trieben die Soldaten die Rücken anderer Beile tiefer in den Splint; ein Dutzend Hände drängte den Axtstiel seitlich, so daß der Axtkopf klaffend Bresche riß, ein Stück Splint mit Rinde absprang. Unzählige Male wurde dieses mühsame Tun wiederholt, doch blieb der Erfolg gering bei dem ungeheuren Umfang dieses riesenhaften Baumes; so gering, daß beim Scheine mehrerer Lagerfeuer die Nacht hindurch an dem Vernichtungswerk gearbeitet wurde.
Bis spät in die Nacht hinein vertrieben sich die Richter, die Juratuši und die Offiziere die Zeit mit Kartenspiel und fleißigem Zechen, den — Sturz der heiligen Linde erwartend, dessen Zeugen die gewaltigen Herren sein wollten.
Den greisen Pfarrer konnte man händeringend am Fenster sehen….
Im Dorfe wußte man von der Zerstörungsarbeit nichts. Niemand durfte das
Haus verlassen. Das Militär hielt scharfe Wacht….
Gegen Morgengrauen weckten dumpfes Getöse und ein markdurchdringender
Schrei die Gerichtsherren am Zechtisch aus dem Schlummer: die riesige
Linde war krachend niedergestürzt, ihr Stamm hatte im Sturz einen
Soldaten erwischt und zermalmt. Gefällt und vernichtet das Heiligtum,
das Wahrzeichen altslavischen Glaubens und Rechtes, die Linde als
Versammlungsstätte und Symbol….
Wie ein rachegieriges Ungeheuer lag der Baumstamm auf der Leiche des zermalmten Soldaten. Alle Versuche, dieses Opfer frei zu bekommen, schlugen fehl.
Die Südslaven unter den bestürzten Soldaten jammerten, murrten, daß der von der Linde erschlagene Kamerad des Grabes in geweihter Erde auf lange Zeit entbehren müsse.
Den Offizieren wurde unbehaglich.