Es dämmerte, als die Gerichtsherren ins Freie traten und sich nach der Verabredung, morgen früh der Cementfabrik einen Besuch abzustatten, voneinander trennten.
XIII.
Hundertpfund war kurz nach dem Verlassen des Gerichtsgebäudes auf dem Marktplatz der hübschen Doktorin in die Hände gelaufen. Beide waren ob dieser unerwarteten Begegnung überrascht und Frau von Bauerntanz wußte nicht, wie sie sich dem Fabrikleiter gegenüber verhalten sollte. Seit jenem Abend bei Ratschillers war der Verkehr abgebrochen geblieben, Rosa grollte und hatte das Haus des Cementfabrikanten gemieden.
Beim Anblick der in ihrer Verwirrung um so hübscheren Frau empfand Hundertpfund etwas wie Reue über die verübte Vernachlässigung Rosas und blitzschnell schossen die Gedanken durch seinen Kopf, daß mit dem Tode Ratschillers das Heiratsprojekt ja doch hinfällig und seine Stellung in der Fabrik wackelig sei. In der Zwischenzeit aber könnte der Scherz einer geheuchelten Verehrung ausgesponnen werden.
Der huldigenden Ansprache Hundertpfunds setzte Frau Rosa eisiges Schweigen entgegen, doch duldete sie, daß der hübsche Mann ihr zur Seite ging und eine Verteidigungsrede losließ, die in der Behauptung gipfelte, daß es ihm mit einer Werbung um Josephine ja doch nicht ernst gewesen sei.
Ohne es zu wollen, sprudelte Frau Rosa die Frage heraus. „Weshalb haben Sie mich aber dann die lange Zeit ignoriert?“
„Ich mußte aus der Art Ihres Abganges doch auf Ungnade schließen und schwer genug habe ich unter dieser Ungnade gelitten!“
„Wer das wohl glaubt!“ spottete Frau Rosa.
„Gnädige Frau thun mir eben absichtlich Unrecht! Das ist so die Handlungsweise schöner Damen! Je schöner eine Frau, desto grausamer wird sie sein!“