„Warum haben Sie mir nicht schon früher diese Meldung erstattet? Sie waren doch kurz darauf bei uns zur Verlobungsfeier!“

„Da war doch nicht die passende Gelegenheit, um solche Hiobspost vorzubringen! Bitte, was soll geschehen?“

„Lassen Sie am Eibenberg tiefer bohren und sprengen, es muß sich Mergel vorfinden. Das Gutachten lautet auf bedeutende Mergellager. Ich werde sobald als möglich selbst hinauskommen. Schluß!“

Mechanisch drehte Ratschiller die Kurbel und brachte den Fernsprecher in Ordnung. Dann aber wankte der Fabrikherr zu seinem Sorgenstuhl, in den er sich ächzend fallen ließ. Das Schlimmste, was einer Cementfabrik passieren kann, steht bevor. Mergelmangel! Und das in jenem Berg, der für schweres Geld gekauft wurde und die größte Ausbeute versprach. Sind die übrigen Terrainerwerbungen gleichfalls mergeltaub, so ist die Fabrik ruiniert, alles verloren.

Die schlimmen Träume, jene entsetzlichen Ahnungen kamen Ratschiller wieder in Erinnerung, in greifbare Nähe ist die Katastrophe gerückt. Und da soll noch Hochzeit gehalten werden!

Völlig verzweifelt holte der Fabrikherr wieder die Mappen hervor, um in den Katasterblättern und Besitzverzeichnissen nachzuschlagen. Kann ein Rechnungsfehler, ein Irrtum des Vermessungsbeamten von solch entsetzlichen Folgen möglich sein? Kann sich ein Bergingenieur so gräßlich irren? Der Eibenberg in seiner für die Fabrikanlage so überaus günstigen Situierung mergellos, das ist entsetzlich; mögen die übrigen angekauften Berge auch Brennstein enthalten, sie liegen zu weit entfernt, der Bruchstein müßte per Achse zur Fabrik geschafft, Bauernstraßen benutzt werden, und das ist seit Existenz der Luftseilbahn geradezu ausgeschlossen, die erbosten Bauern werden die Straßenbenutzung jetzt erst recht verweigern und die Fabrik muß den Betrieb einstellen.

Zitternd raffte Ratschiller die Papiere zusammen und verschloß sie im Panzerschrank. Dann arbeitete und hantierte er längere Zeit in den Schiebefächern seines Pultes. Bleichen Antlitzes verließ er hierauf die Geschäftsstube, um sich zur Fabrik zu begeben.

Unermüdlich bringt die Seilbahn durch die Luft die Cementfässer zum Magazin am Bahnhof und von da führen die kleinen Wagen die Grieskohle wieder zurück zur Fabrik. Die Anlage bewährt sich ausgezeichnet, der Betrieb funktioniert tadellos. Man hätte das Werk nicht besser inscenieren können. Ratschiller seufzte, sein Auge folgte den Fässern durch die Luft. Welches frohe Gefühl hat diese Anlage schon in ihm erweckt, doch mit welcher Bitterkeit betrachtet er die Luftbahn jetzt! Was nützt das prächtige Werk, wenn die Fabrik infolge Steinmangels wird stille stehen müssen! Wie konnte sich der Bergingenieur nur so fürchterlich irren! Der Eibenberg mergellos! Eine Riesensumme ist dadurch verloren!

In der staubigen und qualmigen Fabrik angelangt, suchte Ratschiller seinen Fabrikleiter auf, mit welchem er alsbald den Steinbruch am Eibenberge besichtigte. Ein trostloser Anblick für einen Cementmenschen, der Mergel braucht und nur wertlosen Schutt erblickt.

Hundertpfund erstattet Bericht über die inzwischen vorgenommenen Bohrversuche. Die Bohreisen gingen so leicht ins Bergesinnere, daß das Fehlen des Gesteins ganz zweifellos sein muß.