Salzburgs Bevölkerung hatte abermals eine Gelegenheit zu ausgiebigen Erörterungen, die Predigt des Erzbischofs giebt Gesprächsstoff auf lange Zeit. Allein ein ebenfalls gänzlich unerwartetes Ereignis lenkte die Aufmerksamkeit der Salzburger auf ein anderes Gebiet. Über Nacht war nämlich von Seite des Fürsten ein Krieg erklärt worden, und zwar den salzburgischen — Hunden.

Wolf Dietrich hatte seine Privatwohnung in den Trakt gegen den Aschhof verlegt und schon in der ersten Nacht revoltierten Hunde dortselbst mit einem Lärm, daß von Schlaf keine Rede sein konnte. Und die rebellischen, bellenden Biester kümmerten sich nicht im mindesten um die Zornesrufe des Landesfürsten, im Gegenteil ward ihr Geheul um so ärger, je kräftiger Wolf Dietrich schimpfte. Es graute der Morgen kaum, da war der Krieg schon erklärt; ein Wachthüttlein mußte im Hof aufgestellt und von einem Nachtwächter bezogen werden, und der Hundschlager (Wasenmeister) erhielt Befehl, an allen Werktagen die salzburgischen Hunde auf allen Gassen einzufangen und abzuschlagen.

Der Hundschlager verstand keinen Spaß und begann sein Handwerk mit einer alle Hundefreunde mit Schrecken erfüllenden Gründlichkeit. Vom frühesten Morgen bis zur Dämmerung am Abend war der Hundemeuchler unterwegs und fing die Biester mit Stricken ein, erdrosselte sie gleich auf der Straße, unbekümmert um das Gezeter der Hundebesitzer. Der Schlager konnte rücksichtslos vorgehen, denn der ihm gewordene Befehl lautete auf Vernichtung aller Hunde, so gefangen werden konnten. Wer seinen Hund lieb hatte, mußte sehr acht geben auf den Schlager und durfte den Hund nicht aufsichtlos lassen.

Die grausame Verfolgung merkten mit der Zeit die Biester selbst, die vor ihrem Todfeind ausrissen, wo immer es ging. Doch der Schlager erwies sich überaus findig, er warf lange Schlingen mit großer Sicherheit aus und fing die Köter mit unfehlbarer Sicherheit. Der Aschhof war auf diese Weise bald von vierfüßigen Nachtwandlern befreit, doch blieb der Befehl zu weiterer Vernichtung in Kraft, Salzburg hatte nach fürstlicher Auffassung überhaupt zu viel Hunde.

Dem Schlager erwuchs zu große Arbeit durch das Wegführen der Hundekadaver, er tötete jeden eingefangenen Hund, indem er ihn mit dem Kopf um die Erde oder Häuserecken schlug, und ließ die Kadaver einfach auf den Gassen liegen. Bei solcher Massenverfolgung und -Tötung konnten Fehlgriffe insofern nicht ausbleiben, als auch Tiere weggefangen und gemeuchelt wurden, die einflußreichen Leuten bei Hof gehörten. Die Metzger beschwerten sich, daß einerseits der Viehtrieb ohne Hunde erschwert sei, und daß der Schlager die Hundekadaver als Bosheit vor den Fleischbänken liegen lasse. Alte Jungfern beweinten den Tod ihrer vierbeinigen Lieblinge und inscenierten Aufläufe. Kurz es schien, als sollte Salzburgs Bevölkerung abermals rebellisch werden, und die Kunde davon kam auch dem Fürsten zu Ohren. Zu einer Revolution der Hunde wegen wollte Wolf Dietrich es nun aber doch nicht kommen lassen. Die Beschwerden wurden geprüft, für begründet befunden, und nun erfolgte die Verhaftung des Schlagers.

Die Aburteilung endete mit Entlassung „mit Spot und Schant“.

IX.

An einem furchtbar heißen Augusttage wanderte ein Franziskaner-Frater auf Terminierung (Almosen-Sammlung) schwerbepackt einem Wirtshause zu, das am Fuße des dichtbewaldeten Geißberges bei Salzburg gelegen war. Der Bettelmönch keuchte unter der Last seines mit Getreide, Mehl und Speck gefüllten, mächtigen Sackes, und außerdem trug der krank aussehende Frater statt eines Stockes einen kleineren Sack in der Hand, der eine lebende Spende irgend eines frommen Bauers enthalten mochte, denn bei jedem Schritt zappelte das Lebewesen im Sack.

Und so oft der Bruder unwillig den Sack schüttelte, quieckste das Almosen aus Leibeskräften, wasmaßen die Spende ein Spanferkel war. Jener Älpler in der Kuchler Gegend konnte dem terminierenden Klosterbruder Hartgeld nicht geben, weil er selbst keines besaß, er spendete eben vom Ferkelüberfluß, der ihm geworden, in der Meinung, daß die Franziskaner zu Salzburg zur Abwechslung wohl gewiß gerne mal einen Ferkelbraten essen würden.

Der Frater nahm das lebende Almosen dankend in einem Sack mit und schleppte sich schwerbepackt weiter gegen Salzburg. Unweit des Wirtshauses am Fuße des Geißberges aber ward die Müdigkeit zu groß, der Bruder zitterte am ganzen Leibe, kalter Schweiß trat ihm auf die Stirne trotz der übermäßigen Hitze, stöhnend mußte der Frater am Straßenrain sich setzen, es ging nicht mehr weiter. Das Spanferkel quieckste schrecklich und versuchte im Sack die Flucht.