„Ja, es war Kindespflicht doch nur! Mit Wölfchen in den Armen flehte ich um sein Erbarmen —“

Wolf Dietrich rief mißmutig: „Was sollt' mein Söhnlein dabei? Will ich verargen nicht, daß du den kranken Vater wolltest sehen, der junge Raittenau hat dem Altschen Hause fern zu bleiben.“

Aufschluchzend jammerte Salome: „Ist doch Wölfchen von mir in Schmerzen geboren! Und die Mutter durfte doch wohl ihr Kind mit sich nehmen auf den bitteren Gang!“

„Ein bitterer Gang, das will glauben ich und nicht weiter raiten. Mein Sproß aber sollt' nicht betteln um eines Bürgers Gnade, sei dieser wer er wolle; die Kluft ist zu hoch!“

„Weh' mir!“ rief Salome und brach zusammen.

Der Fürst mochte fühlen, zu weit gegangen, zu scharf geworden zu sein, er rief die Kammerfrauen herbei, deren Pflege er Salome überließ, und gab Befehl, auf das der Leibmedikus die Kranke besuche.

Als Wolf Dietrich zur Tafel sich begab, lagerten Wolken des Unbehagens
und Mißmutes auf seiner Stirne; hochfahrender denn je trat er in den
Saal, wo die geladenen Gäste des Fürsten harrten und ihn mit tiefen
Verbeugungen begrüßten.

Unter den Gästen befanden sich einige Salzburger Patrizier, denen die
Abwesenheit Salomes auffiel, die aber deren Fehlen mit dem Ableben ihres
Vaters in Verbindung zu bringen wußten und nicht wenig darauf neugierig
waren, ob der Fürst des Todes Wilhelm Alts irgendwie erwähnen werde.

Die Tafel mit all' dem Zeremoniell, auf dessen Beobachtung Wolf Dietrich strenge hielt, begann, und flink servierten die Lakaien. Stumm ward gespeist, es lag ein Druck auf der Gesellschaft, die finstere Miene des Fürsten ließ keine den Tafelfreuden entsprechende Stimmung aufkommen.

Neben dem Erzbischofe saß Graf Lamberg, der verstohlen manchen Blick auf den Gebieter warf und darüber nachsann, was die üble Laune hervorgerufen haben könnte. Zu seiner Überraschung sprach plötzlich Wolf Dietrich halblaut zum Kapitular: „Will Lamberg dafür sorgen, daß still und schlicht, doch immerhin mit Patrizier-Ehren Wilhelm Alt beerdigt werde, werd' ich dem Freunde dankbar sein!“