Wilhelm Alt begann zu röcheln, seinem todesmatten Körper und müden Geist ward diese Scene zu viel der Aufregung, die den Todeskampf beschleunigen mußte.

Von Verzweiflung erfüllt setzte Salome das Knäblein zu Boden, eilte an des Vaters Sterbebett und warf sich vor demselben nieder, die Hände flehend ringend, um Erbarmen wimmernd.

„Nein!“ flüsterte der Sterbende und ließ das Haupt in die Kissen fallen. Ein Zucken, ein Seufzer — das Leben war entflohen, Wilhelm Alt unversöhnt gestorben.

Salome schrie auf in furchtbarstem Schmerz und warf sich über die
Leiche, die Lippen des Vaters ein letztes Mal küssend.

Dann rang die junge Mutter nach Fassung, nahm Wölfchen auf den Arm und verließ das Sterbezimmer, um in der Sänfte ins Palais zurückzukehren und Trauerkleider anzulegen.

Zur gewohnten Stunde erschien Wolf Dietrich in spanischer Rittertracht in Salomens Gemächern, um die Gemahlin abzuholen und in den Speisesaal zu geleiten. Betroffen ob der Trauerkleidung fragte der Fürst nach der Ursache, und als Salome ihm schluchzend Mitteilung vom Tode des Vaters gegeben, suchte Wolf Dietrich liebreich zu trösten. Die Frage, ob eine Aussöhnung erfolgt sei, fühlte der Fürst auf der Zunge liegen, doch als Schonung sprach er sie nicht aus. Dafür gelobte er, Wilhelm Alt mit allem Gepränge, wie die familiären Beziehungen dies heischen, bestatten zu lassen.

Salome drängte die Thränen zurück und bat weichen Tones: „Mein gnädiger Herr möge davon Abstand nehmen! Der Vater soll still und schlicht begraben werden, darum bitte ich in meinem namenlosen Schmerze!“

„Wohl acht' ich Schmerz und Trauer, doch will mich bedünken, der Vater meiner Frau soll mit fürstlichen Ehren zu Grab' getragen werden!“

„Verzeiht mir, gnädiger Gebieter! Sehet davon ab! Der Vater ist geschieden im Zorn — unversöhnt mein Flehen war vergeblich!“

„So war Salome in letzter Stunde bei Wilhelm Alt?“