„Auch diese Benennung will wir nicht schlimm erscheinen, sofern der neue
Papst nicht schlimme Absichten heget.“

„Das eben ist mir nicht bekannt. So viel glaube ich aber aus den Vorgängen schließen zu sollen, daß man zu Rom mir nicht mehr wie ehedem wohlgesinnt ist; es weht ein ander Wind und der Bayer hat volle Backen.“

„Laßt sie blasen, gnädiger Herr! Dankbar ist Rom nie gewesen. Besser ein
klar Erkennen und Vorsicht, denn ein Fortglimmen trügerischer
Hoffnungen. Der Fürst von Salzburg bleibt was er ist, auch ohne roten
Hut!“

Wolf Dietrich fuhr zusammen vor Überraschung, daß Salome so schnell auch hier den Kern der Sache erfaßte.

„Hab' ich recht geraten?“ fragte die kluge Frau.

„Ja, Geliebte! Dein feiner Kopf hat richtig geraten, zerschellt ist meine Hoffnung, ich kann damit nicht länger hinterm Berge halten. Der Erzbischof Wolf Dieter wird — nicht Kardinal!“

„Das wird der Übel größtes noch nicht sein. Schlimmer wär' ein Streit mit Bayern und dem Kaiser!“

Trotzig rief der hochfahrende Fürst: „Kommt dazu es jemals, stell' ich meinen Mann und werd' das Schwert zu führen wissen. Doch nun genug der leidigen Politik, es giebt schönere Dinge noch auf Erden, und meiner Salome dankbar die Hand zu küssen, will mich ein schönes Ding bedünken.“ Galant küßte der Fürst die schmale Rechte seiner Herzensdame und geleitete Salome in ihre Gemächer, wo er längere Zeit verblieb.

Wochen vergingen. Zur großen und angenehmen Überraschung war Bayern auf den proponierten neuen Vertrag eingegangen und dessen Ratifizierung erfolgt. Wolf Dietrich konnte triumphieren, Bayern hat sich, ohne es zu merken, übervorteilen lassen, und allen Einfluß bei der Steigerung des Salzpreises, mit welcher der Salzburger nun sofort vorging, verloren. Zu spät erkannte man in München den Fehler; der Herzog konnte den Vertrag nicht rückgängig machen, er vermochte nur Anstalten zu treffen, um seinen Salzverschleiß zu steigern. In diesem Beginnen lag aber der Keim zu großen Zwistigkeiten. Bayern entzog durch eine Brücke bei Vilshofen der Stadt Passau den Zwischenhandel mit Salz, dasselbe geschah durch Erbauung einer Brücke bei Stadtamhof, wodurch die Regensburger lahm gelegt wurden. Natürlich protestierten beide Städte, und Prachatitz in Böhmen, der Hauptplatz des sogenannten „goldenen Steiges“ nach Böhmen, wohin das Salz von Passau aus ging, schloß sich dem Protest an, man klagte beim Reichskammergericht in Speyer.

Einstweilen konnte dieser Prozeß dem Erzbischof von Salzburg gleichgültig sein und Wolf Dietrich zuwarten, wie sich der Bayer aus der Schlinge ziehen werde. Allein die Angelegenheit spitzte sich zu, da nun auch der Kaiser selbst sich interessiert zeigte, denn das salzburgische Salz, das dem seinen von jeher Konkurrenz gemacht hatte, war durch den Vertrag mit Bayern beständig billiger als das aus den Werken von Hallstatt und Ischl gewonnene; es wurde also weit mehr gekauft als das kaiserliche Salz, anderseits erhielt aber Bayern soviel Salz aus dem Erzstift, daß es das bis dahin vom Kaiser bezogene Salz leicht entbehren konnte.