Salome, welche mit der stattlich angewachsenen Kinderschar (sieben Töchter und drei Söhne) bisher in der alten Münze, dem Anbau zur Residenz, gewohnt, übersiedelte bald nach Fertigstellung des Schlosses nach ‚Altenau‘, und hier im Kreise seiner Familie verbrachte Wolf Dietrich seine Mußestunden und lebte seinem idyllischen Glück, pflegte der schönen Künste und Wissenschaften, und verscheuchte die immer dräuenderen Sorgen hinter sich.
Was die Salzburger zur Erbauung des Prachtschlosses sagten, findet sich in Steinhausers Chronik interessant verzeichnet:
„Um dise Zeit auch hat der hochwürdigst Fürst und Herr, Herr Wolf Dietrich ain schöns, groß, geviert, herrliches Gepeu, wie ain Schloß oder Vestung, mit ainem wolgezierten, von Plech gedeckten, glanzeten Thurn, und inwendig, auch außen herumb, mit schönnen Gärten von allerlai Kreüthwerch, Paumbgewächs und Früchten geziert und versehen, pauen und aufrichten lassen, — auch solchen Pau Altenauen genennt. In solchem schönen Gepeü hat der Erzbischoff und die Seinigen &c. sich oftmallen belustigt und vilmals sowol morgens als abents die Malzeiten daselbst genossen und allerlai ehrliche Freüdenspill und Kurzweil darinnen getriben. Dieses herrliche, schöne, Gepeü, gleich einem fürstlichen Hof, hat abermal vil tausent Gulden gestanten; aber die Wahrhait zu bekennen, ist es ain herrlich, schön fürstliches Werk und gibt gleichsamb der Statt ain sonderlichen Wolstand und Zier, stehet vor dem Pergstraßthor. Mit diesen und dergleichen noch vil mehr zu Unnuz angelegten vergeblichen Gelt hette man vil Hausarmen, Dürftigen merklich künen zu Hülf kommen oder damit in ander mehrlai Weeg schaffen können.
Ich will aber darüber auch nit pergen, daß gemelter Erzbischoff im Fahl der Not oder Theurrung sich so vil mit Trait fürgesehen, wann es sich begeben…. Dieses Lob ainem Fürsten oder Erzbischoven nachzusagen, ist widerumben ain rühmliches Werk, zuedeme, so sind auch vil armer Handwerchsleüt, Taglöhner und dergleichen darbei erhalten worden und solcher Bau dannach etlicher Maßen zue Nuz kommen, denn welcher ist doch der, welcher gegen jedermann und in allen Dingen recht thuen kann, wie dann das gemaine Sprichwort sagt: Der ist weis und wohlgelehrt, der alle Ding zum Besten kehrt. Man sag und schreib von ihme, was man wöll, so höre ich, die Wahrhait zu bekennen, daß ihme noch vilmahls alles Guets nachgesagt und die ewige Freid herzlichen gewünschet würt, er noch vilmahls gewünschet und begert wirdet.“
XIV.
Graf Lamberg, vom Fürsten zum Bischof von Gurk ernannt, war gleichwohl
in Salzburg verblieben und erwies sich immer mehr als treuer Freund auch
Salomens, als diese ihn in ihre Pläne eingeweiht und um seine
Unterstützung gebeten hatte.
Durch Lambergs Vermittelung wurde eine Audienz Salomens beim Kaiser erwirkt, zur Verhüllung einer Prager Reise aber der Besuch von Karlsbad vorgeschützt.
Salome mit den ältesten, prächtig herangewachsenen Kindern, gefolgt von zahlreicher Dienerschaft, reiste nach Prag, mutig das gesteckte Ziel verfolgend, so sehr das Herz der zarten Frau auch zitterte im Gedanken, vor den Kaiser treten zu sollen, von dem es hieß, Rudolf II. sei ein unheimlicher, krankhaft erregter, weltverlorener Mann, herrschsüchtig, auffahrend, grausam und dennoch des wärmsten Mitleids bedürftig.
Salomens Liebreiz, der ihr verblieben, trotz des reichen Kindersegens, erwies sich siegreich wie immer auch in Prag; ihr bei allem fürstlichen Aufwand und Prunk bescheidenes Auftreten öffnete die Herzen vieler Adeliger, die darin wetteiferten, der schönen Frau die Honneurs zu erweisen. Manch verstohlener Blick galt der Dame, die mutig ausharrt an eines Erzbischofes Seite und des kirchlichen Segens für ihren Bund entbehrt.
Der Tag der Audienz in der Kaiserburg Hradschin kam, zagend fand Salome
mit den Kindern sich im hohen Empfangssaal ein, geleitet vom
Dienstkämmerer, der alsdann in einem Nebengemach verschwand, um dem
Kaiser Meldung zu erstatten.