Rudolf II. in schwarzer spanischer Tracht, saß an einem mit Folianten und Geräten überladenen Tisch, vertieft in das Studium alchymistischer Schriften, das er nebst Astrologie so sehr liebte und darob der Sorgen um das Reich oft vergaß. Kaum hörte der Monarch die leise gesprochenen Worte des Kammerherrn, kaum, daß Rudolf den Kopf hob. Nur als das Wort „Salzburg“ fiel, ward der kranke Kaiser aufmerksamer und fragte wie geistesabwesend, wer um Empfang bitte, obwohl der Kämmerling diesbezügliche Meldung eben erstattet hatte.
Ehrerbietig sprach der Dienstkämmerer: „Frau von Altenau aus Salzburg bittet Euer Majestät unterthänigst um gnädigen Empfang.“
Rudolf fuhr mit der zitternden Rechten über die bleiche Stirne und murmelte: „Altenau aus Salzburg — kenn' ich nicht! Salzburg — der widerhaarige Fürst — ja ich weiß — bin müde, führ' er den Bittsteller herein, soll kurz es machen!“
Unter tiefer Verbeugung erwiderte der Kämmerling: „Euer Majestät unterthänigst zu vermelden: Es ist eine Dame, die um Audienz bittet!“
Im abgespannten, dem Mysticismus verfallenen Kaiser regte sich die Ritterlichkeit, als er hörte, daß eine Dame seiner harrt, Rudolf erhob sich und gab Befehl, Frau von Altenau hereinzugeleiten.
Nach wenigen Augenblicken trat Salome, zwei ihrer Kinder an der Hand führend, ein, sie wie die Kinder beugten das Knie vor dem Kaiser, der tiefernst und dabei verwundert die Gruppe betrachtete, doch sogleich die Dame bat, sich zu erheben.
Salomens Liebreiz fesselte des Kaisers Blick, seine Miene wurde freundlicher.
„Gnädigster Kaiser und Herr!“ sprach bebenden Tones Salome und richtete den Blick aus den süßen blauen Augen voll auf den Monarchen, „wollen Euer Kaiserliche Majestät in Gnaden mir verstatten, mein Anliegen vorbringen zu dürfen.“
Rudolf verstand und winkte dem Kämmerer, sich zu entfernen. Dann sprach der Kaiser: „Ihr seid verheiratet? Mit wem?“
Salome erbebte, der gefürchtete Augenblick ist gekommen, das
schreckliche Wort muß gesprochen werden, so hart dies auch ist. Nach
Atem und Ruhe ringend, stammelte Salome: „Gnädigster Herr und Kaiser!
Mein Bund entbehrt — des kirchlichen Segens!“