So kam es dazu, daß Herzog Maximilian an Salzburg jährlich 38000 Gulden übergeben mußte, ohne irgend etwas dafür zu erhalten. Das mochte den Herzog wohl noch weit mehr wurmen als der abgelehnte Beitritt zur Liga.

Die Chikanen begannen, Herzog Maximilian rächte sich, indem er wohl zahlte nach Verpflichtung, doch wählte er im Gefühl, übervorteilt zu sein, schlechte Münze, und außerdem machte nun auch der Bayer Gebrauch von der kaiserlichen Erlaubnis einer Zollerhöhung, die bei Wiederbeginn der Hallfahrten auch auf die sogenannten Salzfertiger, das heißt die im Dienst des Erzstiftes stehenden Spediteure und Kaufleute, welche das Salz in Hallein übernahmen und zu Schiff an die bayerischen Legstätten führten, ausgedehnt wurde.

Bisher war es üblich, daß diese Salzfertiger bei Ablieferung des Halleiner Salzes von den bayrischen Salzbeamten den Lohn für ihre Spedition und außerdem eine Vergütung des formellen Zolles, den sie zuvor an die bayerischen Behörden gezahlt hatten, erhielten. Mit einem Federstrich wurden diese Leute mit einem Jahreszoll von 8000 Gulden belastet, und nun ward Sturm gelaufen zum Erzbischof-Landesherrn, der denn auch sogleich seinen energischen Protest nach München schickte und ganz richtig auseinandersetzte, daß nicht die Fertiger, sondern Bayern selbst Eigentümer des zu Hallein erworbenen Salzes sei; wenn man also, so schrieb Wolf Dietrich ironisch, den Zoll, wie es doch billig und recht wäre, von dem Eigentümer fordern wolle, so müßte der Herzog ihn eher von sich selbst als von den Fertigern fordern.

Die Antwort auf dieses Protestschreiben war ein starres „Nein“, worauf Wolf Dietrich mit einer Salzsperre drohte und sich vom Ärger hinreißen ließ, zu erklären: der Herzog könne das Halleiner Salz nehmen oder auch nicht; wolle er solches beziehen, so könne er es gegen monatliche Barzahlung haben, weiterhin aber werde sich der Erzbischof in keinen Vertrag mit Bayern mehr einlassen. In seiner Entrüstung hatte Wolf Dietrich an etwaige Folgen dieser Erklärung gar nicht gedacht. Als Lamberg sowie die salzburgischen Räte hiervon erfuhren, war Wolf Dietrich wohl schon wieder ruhiger geworden, aber die Konsequenzen waren bereits reif: Bayern ließ dem Erzbischof kühl, doch mit unverkennbarer Schadenfreude wissen, daß die Nichtigkeitserklärung der Salzverträge gerne zur Kenntnis genommen worden sei.

Wolf Dietrich erkannte, freilich zu spät, den in der Übereilung verübten Fehler, und berief seine Räte, die nun einen Ausweg aus der fatalen Klemme finden sollten. So erregt der Fürst auch war, er zwang sich dazu, die oft weitschweifigen Erörterungen seiner Räte ruhig anzuhören, doch sein immer lebhafter Geist arbeitete dabei unausgesetzt, dem Feind zu München irgendwie Schach zu bieten. Und mitten in der Sitzung fand Wolf Dietrich einen Ausweg, unvermittelt rief er den verdutzten Räten zu: „Ich bringe mein Salz direkt nach Böhmen! Schafft mir den Baumeister für Straßenbau zur Stelle!“ Und hitzig wie immer erläuterte der Fürst sein neues Projekt: Bau einer neuen Straße von Salzburg nach Skt. Wolfgang, Verfrachtung des Salzes dorthin zu Wagen, und ab dort in eigens zu konstruierenden Fässern auf Saumtieren nach Böhmen. Auf diese Weise könne Bayern umgangen, der Salzzoll erspart werden.

Der klug ersonnene Plan wurde unverzüglich ins Werk gesetzt, Tausende von Arbeitern wurden aufgeboten, der Straßenbau begonnen, der bei Gnigl aufwärts zum sogenannten Guckinsthal und hinüber zum Wolfgangssee führte.

Wo ein Wolf Dietrich zur Eile trieb, ging jede Arbeit beflügelt von statten, und dieser Straßenbau mußte auf fürstlichen Befehl beschleunigt werden.

Auf der Salzach erstarb der Schiffverkehr, die Salzplätten kamen nur
noch bis Salzburg, an der Einlände daselbst wurde umgeladen, die
Salzwagen fuhren auf der notdürftig fahrbar gemachten Straße nach Skt.
Wolfgang, wo eine gewaltige Zahl von rasch beschafften Saumtieren und
Rossen stationiert worden war.

Bald bekam der Herzog von Bayern diese Transportverlegung zu spüren. Mit seinen eigenen Salzvorräten aus dem Berchtesgadener Sudwerk konnte er den Bedarf keineswegs decken, es trat Salzmangel in Bayern ein und mit dem Mangel eine rasch wachsende Preissteigerung. Maximilian verlegte sich auf die Bitte um Aussöhnung, aber Wolf Dietrich lehnte jede Vermittelung ab und wollte vom Nachbar nichts mehr wissen.

In solcher Notlage wollte der Herzog die Salzausfuhr durch Bayern erzwingen, indem er beim Erzherzog Ferdinand von Innerösterreich und bei Kaiser Rudolf darauf drang, daß diese Machthaber das Halleiner Salz nicht über ihre Landesgrenzen lassen möchten.