Mit seinen Räten besprach sich der Herzog schier die Nacht hindurch, und alles ward sorglich erwogen. Was gegen Wolf Dietrich vorliegt, fand genaueste Kritik, den Ausschlag gaben die wohlerfaßten Worte der Kapitelsgesandtschaft von „schweren Praktiken zu höchstem Nachteil des Erzstiftes“, Worte, die der herzogliche Kanzler dahin übersetzte, daß Wolf Dietrich den Übertritt zum Protestantismus und die Säkularisation des Erzstiftes beabsichtige.
Herzog Max erinnerte sich sogleich der aufgefangenen Briefe des Fürsten Christian von Anhalt an Wolf Dietrich mit Andeutungen, daß der bevorstehende Tod des Kaisers die beste Gelegenheit gäbe, die Union mit bewaffneter Hand auszubreiten.
Daß in einem Kriege der Union gegen die Liga der Salzburger nicht auf Seite der letzteren stehen würde, konnte für Herzog Max keinem Zweifel unterliegen.
So endete die lange Sitzung mit dem Beschluß, auf den Vorschlag des Salzburger Kapitels einzugehen, Wolf Dietrich aus dem Erzstift zu verjagen.
Am Morgen erhielten die Gesandten aber nur den vorsichtigen Bescheid, es beharre der Herzog auf seinen Forderungen: Herstellung des status quo ante, Leistung einer Kaution, auf daß der Fürst nicht zu Bayerns Nachteil mit anderen in Verhandlungen wegen des Salzwesens trete, und Entscheid binnen zwei Tagen.
Die Kapitulare kehrten nach Salzburg zurück und meldeten dem Erzbischof die Bedingungen des Herzogs. Wolf Dietrich lachte darob und spottete: Mit dem Dutzend Feldstücke werde der Bayer wohl keine Salzburger Berge einschießen.
Von ihrem Vorschlag zu einer Okkupation Salzburgs und Absetzung des Erzbischofs durch Herzog Max sagten die Kapitulare nichts und zogen sich zurück.
Tags darauf trafen der Weihbischof und Graf Paris Lodron wieder in Salzburg ein, empört darüber, daß der Herzog sie gar nicht empfangen hatte. Diese Mißachtung seiner Sendboten ärgerte Wolf Dietrich, im Zorn rief er, diesen Affront bitter rächen zu wollen.
Graf Lodron glaubte dem Gebieter doch ein Einlenken empfehlen zu sollen, wasmaßen der Stadt wie dem Erzstift große Bedrängnis drohe und der Bayer nicht viel Federlesens machen werde.
„Blaset doch nicht Trübsal! Ich bin Mannes genug und werd' den Bayer zwingen!“ prahlte Wolf Dietrich. „Ihr seid jeden Mutes bar, feige Memmen! Schaut Euch um, überall habe ich Mannschaft genug, dem Herzog den Eintritt zu wehren! Verharret Ihr aber in solcher Feigheit, so werde ich Euch türmen lassen in der Feste!“