Betroffen entfernten sich die beiden Herren, denen der Übermut des Fürsten ebenso unbegreiflich erschien wie seine Zuversicht auf einen geradezu undenkbaren Sieg.

Am selben Abend des 22. Oktober lief in der Stadt die Schreckenskunde
ein, daß Herzog Max Stadt und Schloß Tittmoning trotz heldenhafter
Verteidigung seitens der aus 170 Pinzgauern unter dem Befehl des
Hauptmannes Schneeweiß bestehenden Besatzung erobert habe.

Als Wolf Dietrich diese Meldung erhielt, rief er: „Macht nichts!
Tittmoning ist nicht Salzburg!“ und entwickelte nun eine die verzagte
Bevölkerung der Bischofsstadt überraschende Thätigkeit, indem er sein
kleines, falbes Roß bestieg und von einigen Offizieren begleitet auf die
Schanzen ritt, die Leute zur tapferen Gegenwehr ermunterte und
Belohnungen versprach, so recht viele der Bayern weggefangen würden.

Nach einer Stunde etwa begab sich der lebhafte Fürst in die Residenz zurück, dinierte mit den Offizieren, und nachts zehn Uhr ritt er abermals auf die Schanzen und revidierte persönlich die Wachen, die sich neuerdings verzagt zeigten, da es hieß, der Bayern-Herzog rücke mit 24000 Mann heran und werde bis zum Morgengrauen vor Salzburg erscheinen.

Wolf Dietrich verstummte, es erfaßte ihn eine Angst, die er nicht bezwingen konnte. Jäh riß er sein Roß herum und jagte im Galopp zur Residenz. Vor derselben angelangt befahl er, den Falben gesattelt bereit zu halten, stieg eilig ab und begab sich in sein Arbeitsgemach, um einen Brief an den Herzog zu schreiben. Damit fertig, befahl er, es solle ein Domherr sofort dem Herzog solchen Brief überbringen und zwar in der fürstlichen Hofkutsche.

Die Boten sprangen hinüber ins Kapitelhaus, kamen aber sogleich wieder mit der Meldung zurück, daß keiner der Domherren eine solche Mission übernehmen wolle.

Wolf Dietrich erbleichte bei dieser Kunde, doch faßte er sich schnell und befahl, es solle der Guardian der Kapuziner nebst einem Ordensgeistlichen zum Herzog fahren und den Brief überbringen. Diese Geistlichen wurden aus den Zellen geholt und vor den Fürsten gebracht, der dem Guardian hastig instruierte und auftrug, dem Herzog zu sagen: Der Erzbischof wolle für seine Person lieber das Äußerste dulden, bevor er seine Unterthanen in ein Blutbad stecke.

Demütig sprach der Guardian: „Hochfürstliche Gnaden, ich gehorche! Aber es ist zweifelhaft, ob ich den Herzog rechtzeitig noch erreiche und….“

„Kein aber! Fort! Fahret im Galopp!“

Die Patres wußten kaum, wie sie in den Hof gelangten, die erregte
Dienerschaft drängte sie in die Kutsche, die Pferde zogen an, in
rasender Eile rasselte das Gefährt durch die Stadt zur bayerischen
Grenze.