Allein in seinem Gemach überließ sich Wolf Dietrich völlig der Angst, er warf sich auf den Betstuhl und flehte um die Hilfe des Allmächtigen. Doch kein Himmelstrost wollte ihm werden durch das Gebet, die Furcht war übergroß, die Gedanken jagten einander; jäh schrie der gepeinigte Fürst auf, ein Gedanke war über ihn gekommen: Salome! Die Kinder! Soll seine Familie dem rachegierigen Herzog in die Hände fallen, büßen die Unschuldigen für den Vater?

Aufspringend, zitternd am ganzen Körper, rief Wolf Dietrich mit heiserer
Stimme die Kämmerlinge herbei und befahl, es solle sofort alles zur
Flucht bereit gehalten werden, Wagen und Truhen, man solle alle Schätze
und Geld verpacken.

Dieser Befehl rief völligen Wirrwarr hervor. Der Fürst eilte hinüber in den Hof, befahl einigen Dienern, ihm zu folgen, und ritt im schärfsten Tempo trotz Nacht und Wind nach Schloß Altenau, das alsbald alarmiert ward. Kammerfrauen mußten Salome wecken und die Kinder aus den Betten holen und ankleiden.

So groß der Schreck ob dieser Alarmierung war, Frau von Altenau zeigte sich gefaßt, als Wolf Dietrich verstört zu ihr ins Nebengemach trat und von namenloser Angst gefoltert zu eiligster Flucht drängte.

Ein Blick aus Salomens blauen Augen traf fragend den bebenden Fürsten.

„Ja, ja, Salome! Alles ist verloren! Ich hab' verspielt! Klage nicht,
spute dich! Ich muß dich und die Kinder retten vor dem rachegierigen
Bayer! Reise sogleich ab, die Wagen werden sofort kommen. Fliehe ins
Gebirg, in Friesach oder Gmünd treffen wir zusammen!“

„Es wird geschehen, wie mein Herr befiehlt! Muß aber so überstürzt die
Flucht ergriffen werden?“

„Ohn' Verzug! Wir sind keine Stunde mehr sicher! O Gott, steh' uns bei!
Rette dich und die Kinder!“

„Und mein gnädiger Herr?“

„Ich will auf die Rückkunft der Kapuziner warten!“