„Dann ist es meine Pflicht auszuharren….“

„Nein, nein! Flieh' sofort und bring' die Kinder in Sicherheit!“

Wolf Dietrich umarmte die treue Frau, bat sie, alles eiligst zu besorgen, und entfernte sich, mühsam den Trennungsschmerz niederkämpfend.

In wenigen Stunden dieser Nacht war alles zur Flucht bereit gestellt. Sieben Wagen wurden mit allem Silbergeschirr und den in großer Eile zusammengerafften Kleinodien, dem Kirchenschatz und Bargeld, in Truhen verpackt, beladen und in der Morgendämmerung in der Richtung nach Golling abgeschickt.

Mit zwei Söhnen und drei Töchtern samt großem Gefolge fuhr Salome diesen Wagen nach, gefaßt, doch mit Thränen in den Augen. Ein letzter Blick galt, als das Steinthor im Rücken lag, der Stadt, der nun verlorenen Heimat. Da lähmte ein Gedanke schier Kopf und Herz, der Gedanke an den in Groll geschiedenen, zu Salzburg begrabenen Vater und an seinen Fluch, der sich nun zu erfüllen scheint. Welch' ein Abschied von der Heimat! Ein Sturz von schwindelnder Höhe! — —

Die Flucht Salomens und Wolf Dietrichs Kinder, die Fortschaffung aller Schätze und Kostbarkeiten gab für die wohlhabenderen Salzburger das Zeichen zur allgemeinen Flucht; wer konnte, brachte sich und seine Habe in Sicherheit, kaum konnten genug Fuhrleute beschafft werden, um Hausrat und Waren fortzubringen. Für die Zurückbleibenden gab es Schrecken genug durch die immer drohender lautenden Gerüchte; hieß es doch, der Bayern-Herzog habe geschworen, die Stadt zu zerstören, den Erzbischof lebendig oder tot zu fangen, er wolle Salzburg von diesem „Türken“ befreien, und das Schwert des Herzogs werde nimmer ruhen, bis der Erzbischof unschädlich gemacht sei.

Nichts als Schrecken und dazu noch Hungersnot; es gebrach an Lebensmitteln, so daß in Salzburg fast kein Laib Brot mehr zu finden war.

Noch wartete Wolf Dietrich auf die Rückkehr der ausgesandten Kapuziner; wie der Ertrinkende sich an einen Strohhalm klammert, so hoffte der gebrochene, verzweifelnde Fürst noch auf eine Nachricht, auf Verzeihung des gefürchteten Herzogs.

In seiner Angst wollte Wolf Dietrich nicht mehr allein bleiben, er sehnte sich nach Zuspruch und ließ die Kapitulare Törring und Freyberg bitten, ihn zu besuchen.

Die Herren kamen und trösteten wohl, doch riet Freyberg, es solle der
Fürst doch lieber Salzburg verlassen und auf Hohenwerfen so lange
Quartier nehmen, bis der Streit beigelegt sei; auch würden die
Verhandlungen dadurch erleichtert werden.