Trotz aller Verträge und Versprechungen blieb Wolf Dietrich gefangen; man zuckte, wenn von solcher Treulosigkeit gesprochen wurde, die Achseln und suchte den Wortbruch mit politischen Rücksichten zu rechtfertigen.

Von allem Verkehr abgeschnitten, krank, verlor Wolf Dietrich mit den
Jahren alle Energie, ein völlig gebrochener Mann begann er seine
Gefangenschaft als sichtbare Strafe Gottes anzusehen. Er beschäftigte
sich mit Bibelstudien und widmete seine besondere Aufmerksamkeit den
Paulinischen Briefen.

Ein Schlagfluß lähmte seine ganze linke Seite, dazu kam Wassersucht und ein Steinleiden.

Als am 16. Januar 1617 der Burgkommandant, sein ehemaliger Kriegsobrist
Leonhard Ehrgott, in die Wohnung Wolf Dietrichs trat, fand er den
Gefangenen entseelt auf dem Bette liegen.

Es hatte ausgelitten Celsissimus!

Fußnoten:

[1] Eierspeise.

[2] In Salzburg kamen die Gabeln erstmalig im Laufe des 16. Jahrhundert auf. Zillner, Kulturgeschichte 1871.

[3] Aus den Mittheilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde XII, 1872.

[4] Um die Mitte des 16. Jahrhunderts trat eine lebhafte Bewegung auf zur Spendung des Abendmahles unter zweierlei Gestalten. Hinrichtungen der Kelchforderer vermochten die kalixtinische Bewegung nicht völlig zu ersticken. Später gestattete der Papst auf dringendes Betreiben Bayerns und des Kaisers einigen Diözesen (auch Salzburg) den Empfang des Abendmahles unter zweierlei Gestalten in der Hoffnung, daß sich das (von lutherischen Prädikanten) aufgestachelte Volk wieder mehr der römischen Kirche anschließen werde. Die Bauern verlangten aber nun noch viel mehr und gaben ihren Forderungen durch Zusammenrottungen Nachdruck. Erzbischof Johann Jakob erließ ein strenges Mandat zur Bekämpfung des Aufruhrs ohne besonderen Erfolg; die Hoffnungen, welche man auf die Erlaubnis der Abendmahlspendung unter zweierlei Gestalten gesetzt hatte, bestätigten sich nicht, es wurde 1571 die Erlaubnis wieder zurückgezogen. Infolgedessen gährte es in den Landstädten Salzburgs gewaltig. Man brachte die Widerspenstigen durch Belehrung oder Gewalt teilweise zum Schweigen, Hartnäckige aber wurden unnachsichtig des Landes verwiesen. Trotzdem setzte sich die Reichung des Kelches, welche zweifellos von den Prädikanten begünstigt wurde, noch bis zur Regierungszeit Wolf Dietrichs fort. (Vergl. Maher-Deisinger, „Wolf Dietrich von Raitenau“ München 1886. Rieger.)