„Das wird sich zeigen! Bestell' er mir das Paar auf nächsten Freitag, das ist also übermorgen Vormittag zehn Uhr!“

„Das Paar?“ fragte gedehnt, seinen Ohren nicht trauend, der Dechant.

„Den Kuraten und sein Weib, jawohl! Ich will das Paar sehen und meine
Meinung fassen über Mann und Weib!“

„Und wann darf ich erhoffen ein Mandat, die Purifikation meines
Sprengels?“

„Das wird sich alles finden! Erst muß geprüfet werden! Davongejagt sind sie schnell, fraglich bleibt, wo bessere wir finden. Doch soll es an wirksamer Reinigung des Klerus nicht fehlen! Ich danke Euch für diese Relation! Verweilt noch etwas auf der Burg, erlustieret Euch im Garten, nicht mehr ferne ist die Zeit, da wir zum Mahle schreiten, und ich lade Euch hiezu als Gast!“

„Euer erzbischöflichen Gnaden danke ich submissest und werde auf Zeichen und Geheiß mich rechtzeitig einfinden!“

Wolf Dietrich reichte dem Pfarrer die Rechte zum Handkuß und gehorsam unterthänig drückte der Dechant die stoppelreichen Lippen auf die Hand des Fürsterzbischofes.

Damit hatte die Audienz ihr Ende. Der Pfarrer begab sich in das Burggärtchen, Wolf Dietrich in sein Gemach, worin er dann nachdenklich in sich versunken eine Weile blieb und mehrmals flüsterte: „Conjugatus est!“

Der Überraschung zweiter Teil sollte dem Landpfarrer die fürstliche Hoftafel bringen, die gemäß dem eigenhändig entworfenen Ceremoniell Wolf Dietrichs nach höfischer und förmlicher Weise auch in der einsamen Burg Hohenwerfen abzuhalten war. Zwei der Kämmerer waren mit, ebenso einige der Edelknaben, der Stebelmeister und ein ziemlich zahlreiches Gefolge zur Betreuung von Küche, Keller und Marstall. Im Bankettsaal harrte der hagere Pfarrer, welchem der gleichfalls zu Tisch befohlene Hofmarschalk und Chef der fürstlichen Hofhaltung Gesellschaft leistete, bis das Zeichen der Ankunft des Fürsten gegeben wurde.

Zwei Edelknaben, ein Fourier, der Kämmerer vom Dienst und der Stebelmeister schritten feierlich herein, ihnen folgte Wolf Dietrich, der am Arm die schöne Salome führte und durch das Spalier der sich tief verneigenden Hofbeamten und sonstiger Dienerschaft geleitete.