Nach dem Willkommstrunk sprach Wolf Dietrich: „Lamberg, du kommst wie gerufen und sollst ein traulich Wort mir sagen, ehe ich zum Strafgericht schreite über einen Vermessenen!“

Der Kapitular blickte auf, sein forschender Blick suchte im unruhig flackernden Auge des fürstlichen Freundes zu lesen.

Rasch erzählte Wolf Dietrich den Auftritt, wobei sein Antlitz sich umdüsterte und die Stimme grollte wie der Donner in schwüler Gewitternacht.

„Ein Affront, den ich zu rächen wissen werde! Der tiefste Kerker sei zu gut für den Vermessenen, sein Leben sei verwirkt!“

Tiefernst war Lambergs Gesichtsausdruck geworden. Für einen Augenblick herrschte beklemmendes Schweigen im hohen Gemache. Dann legte der Kapitular seine Hand auf die Rechte des Fürsten, wie wenn er damit beruhigen wollte, und erwiderte: „Hochfürstliche Gnaden wollen in dem tiefbedauerlichen Falle absehen von der Beleidigung der Person des Fürsten und den Auftritt nur betrachten vom Standpunkt des hochwürdigsten Erzbischofs!“

„Wie? Was willst du damit sagen? Ist deiner Rede Absicht, einem Bauernpfarrer das Recht zu vindizieren, seinen Bischof zurecht zu weisen?!“

„Mit nichten, Hochfürstliche Gnaden, keineswegs! Es giebt kein solches Recht, es kann ergo auch nicht vindiziert werden. Immerhin besteht die Möglichkeit, sie ist durch den beklagenswerten Vorfall ja erwiesen, daß in Ekstase ein Priester Worte des Tadels richtet an seinen höchsten Vorgesetzten, in Ekstase, im Glauben, Recht zu thun, so er Sünde erblickt im Wandel seines Bischofs.“

„Du, mein Freund, ein Lamberg sagt dergleichen mir?“ rief vorwurfsvoll der Fürst.

„Mit nichten ist es meine Absicht, des gnädigsten Fürsten Thun und
Wandel irgend einer Kritik zu unterziehen. Was ich aber in schuldiger
Ehrfurcht unterlasse, thun andere mit desto größerem Freimut. Der
Werfener Pfarrer wird niemals zu exkulpieren sein; was er sprach, war
nicht an den Fürsten, war an den Bischof gerichtet, und nach dieser
Rechtslage dürfte der Fall zu erledigen sein.“

„So soll ich mir als Archiepiscopus dergleichen Infamien gefallen lassen? Lamberg, du kennst einen Raittenau schlecht, sehr schlecht!“