„Gottesstrafe vollzieht sich zur Stunde!“ rief gellend der fanatische Pfarrer, den die Hofbeamten nun ergriffen und eiligst aus der Burg führten.

Die Tafel unterblieb. In banger Sorge harrte Wolf Dietrich des ärztlichen Bescheides, still ward es in der Burg. Nach einer Stunde etwa konnte dem Fürsten gemeldet werden, daß der Anfall vorüber und keine Gefahr vorhanden sei, doch bedürfe die Gnädige der Ruhe und Schonung.

Beruhigt ob dieses Berichtes konnte sich Wolf Dietrich seinen
Regierungsgeschäften widmen und wie er sich anschickte, die vom Kanzler
ausgefertigten Edikte zu unterzeichnen, kam ihm erst der vom Werfener
Pfarrer heraufbeschworene Auftritt wieder ins Gedächtnis und damit der
Zorn über die unerhörte Sprache eines Untergebenen, ein Zorn, der den
Körper erbeben machte und nach Rache lechzte.

Doch ward eben vom Kämmerling neuer Besuch gemeldet, und Wolf Dietrich hieß barsch, jedermann abzuweisen.

„Es ist Domkapitular Graf Lamberg!“ wagte der Kämmerer schüchtern einzuwenden.

„Wie? Graf Lamberg! Mein Freund, ja, der kommt zur rechten Stunde! Führ' ihn sogleich zu mir!“ Wolf Dietrich fuhr mit der Rechten über die Stirne, als wollte er die unangenehmen Gedanken wegstreichen, doch gelang es ihm nicht, die Erregung zu bannen. Es erschien die aristokratische Gestalt des Kapitulars Johann Grafen von Lamberg in der Thür und erwies dem Fürsten tiefste Reverenz.

„Willkommen, Freund, auf Hohenwerfen! Salve!“ rief Wolf Dietrich und schritt dem Kapitular entgegen.

„Euer Hochfürstliche Gnaden wollen die Störung permittieren, ich komme in dringlicher Angelegenheit!“

„Nochmals willkommen, Freund! Und gleich sei beigefüget, daß Lamberg kommt mir sehr gelegen!“

Nach herzlicher Begrüßung, die auf vertraute Freundschaft schließen ließ, wenngleich der Kapitular die höfisch zeremoniellen Formen, besonders in der Titulatur streng beobachtete, nahmen beide Herren im Erker Platz, wohin der Fürst Erfrischungen für seinen Gast schaffen ließ.