So mußte es denn kommen, daß Bürger- und Kaufmannschaft, Adel und
Geistlichkeit sich gegen die neuen Mandate auflehnten und den
Beschwerdeweg beschritten.

Dr. Lueger wußte sich gegen dieses Anstürmen nicht anders zu helfen als durch Berichterstattung an den Fürsten, und seine Meldung veranlaßte Wolf Dietrich, den Hofstaat schleunigst von Hohenwerfen nach Salzburg zu verlegen, wohin auch kurze Zeit später Salome wieder übersiedelte.

Zunächst hörte der Fürst den Vortrag Luegers mit Aufmerksamkeit und Ausdauer und notierte sich die wichtigsten Punkte. Bezüglich der zu treffenden Maßnahmen und Verbescheidung der Beschwerdeschriften jedoch berief Wolf Dietrich den treubewährten klugen Freund Lamberg zu gemeinsamer Beratung im Arbeitsgemache des Keutschachhofes, wohin die Aktenstücke verbracht wurden, über welchen nun Wolf Dietrich stundenlang saß und studierte trotz aller Bitten Salomens, sich doch einige Erholung zu gönnen.

Liebreich doch bestimmt wies der Fürst auf die Notwendigkeit eines raschen Eingreifens hin, ansonsten in Salzburg ein allgemeiner Aufruhr losbreche, worauf Salome sich in ihre Gemächer zurückzog.

Inmitten eifrigsten Studiums ward Graf Lamberg gemeldet und sogleich vorgelassen.

Wolf Dietrich hatte eben die Beschwerde des Salzburger Stadtrates in Händen und rief dem Freunde zu: „Komm nur schnell heran, setze dich zu mir an den Sorgentisch, höre und dann gieb deine Meinung kund. Hier habe ich die Beschwernis des Stadtrates über Verletzung alter Freiheiten! Sie wollen die neuen Mauten und Zölle nicht zahlen und beklagen sich in einem Tone, in einer Sprache, die ich nicht anders bezeichnen kann, denn aufzüglich, undeutlich und bar der schuldigen Ehrfurcht!“

Vorsichtig fragte der kluge Edelmann und Kapitular: „Auf welche
Privilegien beruft man sich?“

„Die Freiheiten gehen um einige Säkula zurück!“

„Dann ist mit Sicherheit anzunehmen, daß sothane Privilegia unter den früheren durchlauchtigsten Fürsten ihre Kraft und Wirksamkeit längst eingebüßt haben.“

„Das scheinet auch mir zweifellos, auch fehlet es an Zeit, all' das im Archiv feststellen zu lassen. Ich bin nicht gewillt, auch nur eine von den Errungenschaften aus früheren Zeiten, so sie die jeweiligen Fürsten gewonnen und sich erstritten haben, aufzugeben. Und ein nunquam gegen eine Erneuerung alter, längst erloschener Rechte!“