Lamberg antwortete lediglich durch eine Verbeugung.

„Mich deucht, aus dem Handel mit Venedig können die Kaufleute Salzburgs nur Nutzen gezogen haben; ein Gegenteil würde die klugen Krämer sicherlich veranlaßt haben, die Beziehungen mit Venedig abzubrechen. Ist der Nutzen also erwiesen, und mich deucht, der Gewinn ist perpetuell, — so muß es vollkommen berechtigt erscheinen, die Zollsteigerung auch auf die Salzburger Kaufmannschaft auszudehnen.“

„Euer Hochfürstliche Gnaden argumentieren völlig richtig!“

Seinem Temperament entsprechend rief hastig und laut Wolf Dietrich: „So werd' ich den Querulanten zu wissen thun, daß es verbleibt beim Mandat der Mauten und Zölle!“

Lamberg blieb stumm, sein Antlitz zeigte Falten, die den Fürsten, als er eben auf den Freund einen Blick richtete, veranlaßten zu fragen: „Du hast Bedenken? Sprich, Lamberg!“

„Schwer ist es in heiklen Dingen, eine Meinung zu äußern, zumal bemeldte
Angelegenheiten sich völlig entziehen meinem gewohnten Wirkungskreise.“

„Keine Ausflüchte, Lamberg! Du siehst klar, hast ein trefflich Urteil!
Sag' deine Meinung mir als treubewährter Freund!“

Zögernd begann der Kapitular zu sprechen: „Die Zeit ist schlimm, die
Erregung groß in vielen Kreisen. Der Mandate von einschneidender
Wirkung sind zu viel in kurzer Zeit erflossen; es gärt allenthalben, und
weder Adel noch Geistlichkeit sind eine feste Stütze für den gnädigen
Fürsten….“

„Herr bin ich und stark genug, jeglichem Widerstand zu trotzen!“

„Gewiß, Euer Hochfürstliche Gnaden! Ein starker Herr und weiser Fürst!
Doch aller Stützen kann füglich nur der Allmächtige über alle entraten!
Was ist ein Thron, wenn Bürger, Adel und Geistlichkeit ihn stürzen
wollen und zum Wanken bringen?!“