„Ich bin nichts weiter als der treuergebene Diener meines gnädigen Herrn und habe dessen höchstes Wohl und dessen Thrones Sicherheit zu fördern bis zu meinem dereinstigen Ende!“

„Für des Fürsten Wohl laßt mich nur sorgen! Und seines Thrones
Sicherheit weiß Wolf Dietrich wahrlich selbst zu schützen!“

Jetzt zuckte Lamberg die Achseln und spöttisch sagte er: „In diesen Zeiten drohender Rebellion im Erzstift wird Frauenpolitik kaum Ruhe schaffen!“

Ein diskretes Klopfen an der Thüre veranlaßte die sofortige
Unterbrechung des Gespräches, die auf Geheiß Salomes eintretende
Kammerfrau meldete das Nahen des Fürsten und zog sich dann diskret
zurück.

Leise sprach Salome: „Wie will Graf Lamberg es nun halten?“ und erhob sich von dem Sitze.

Gewandt, aalglatt erwiderte der Kapitular: „Die gnädige Gebieterin wolle verfügen über mich!“

„Gut denn, kommt des öfteren als Freund!“

Der Eintritt Wolf Dietrichs überhob Lamberg einer Antwort. Man plauderte noch ein Weilchen, dann reichte der Fürst Salome den Arm und geleitete die Dame seines Herzens, gefolgt von Lamberg, in den Speisesaal, in welchem Höflinge und einige zur Tafel geladene Patrizier bereits harrten.

V.

Der Hausfaktor im Kaufhause Wilhelm Alts trat schlürfenden Schrittes, ängstlich besorgt, jeglichen Lärm zu vermeiden, in das Gemach, in welchem der Handelsherr auf seinem Lager ruhte, und meldete, als Alt den faltenreichen Kopf nach dem Eintretenden drehte, mit halblauten Worten, daß der Ratsherr Puchner zu Besuch gekommen sei.