Dem scharfen Auge Wolf Dietrichs blieb diese Veränderung nicht verborgen, von Sorge erfüllt trat er näher und fragte in liebreichen, milden Worten, ob er den Medikus senden dürfe.
Den lieblichen Blondkopf schüttelnd erwidere Salome: „Nein, mein gnädiger Fürst und Herr! Ich danke Euch inniglich für sothane gnädige Fürsorge. Doch der Medikus ist hiezu nicht nötig!“
Der Ton machte den jungen Gebieter stutzig und wieder besah er das holde
Frauenbild an seiner Seite. „Salome, was ist dir?“
Da neigte Salome das Köpfchen und flüsterte erglühend dem geliebten
Gebieter ein zart Geheimnis ins Ohr.
„Sonne meines Lebens, holdes, herrliches Weib! Wie soll ich dirs danken!“ rief Wolf Dietrich beseligt, sank ins Knie und überdeckte Salomes zusammengefaßte Hände mit heißen Küssen. „Welches Glück gewährt mir mein süßes, holdes Weib!“ Ein Schatten flog über Salomes Antlitz, geisterhafte Blässe machte die bleichen Wangen schier durchsichtig, bebenden Tones sprach Salome: „Glück? Meinem gnädigen Herrn mag es frohe Botschaft sein! Mir nagt die Sorge am Herzen!“
„Sorgen, du —?“ rief Wolf Dietrich und erhob sich. „Ich dachte, fern gehalten sei des Lebens jegliche Alltagssorge von dir, und sicher betreuet dein Walten an meiner Seite! Was zu erwarten bringt wohl Sorgen, die gleich sind im Palazzo wie in der Armut Hütten! Königinnen und Bettlerinnen teilen eins mit dem andern gleich die Bestimmung des Weibes!“
„Nicht das, geliebter Herr und Fürst, erfüllt mein dankbar Frauenherz mit banger Sorge — der Blick in der Zukunft Tage ist trüb, will sich nicht klären —“
„Nicht vermag erfassen ich den Sinn der dunklen Worte!“
„Ein Wort von Euch, geliebter Herr, und Sonnenschein erleuchtet mir den
Weg bis zur schweren Stunde!“
Jetzt wußte Wolf Dietrich die Sehnsucht der Favoritin zu deuten, und nun flog ein Schatten des Unmutes über sein Antlitz, und ein Zucken lief durch seinen schmächtigen Körper. Hastig sprach der Fürst: „Verzeih', Salome! Schon einmal mußt' um Geduld ich bitten dich und anjetzo wiederhol' ich solche Bitte. Der Zeitenlauf stellt übel sich zu diesem Plane! Restaurieren soll ich, den Priesterstand purifizieren. Ich kann nicht in dieser Zeit ein verderblich Beispiel geben, das hundertfach Nachahmung würde finden und mich bringen in Konflikt mit Rom.“