Mit jähem Ruck ergreift der Abt das herzogliche Schreiben, zerreißt es ungelesen und wirst die Fetzen dem Gesandten vor die Füße. Grollend spricht er. „Ich habe mit Eurem Herzog nichts zu verhandeln. Ich protestiere! Der Friede von Osnabrück gilt nicht für Alpirsbach!“

„Ich warne Ew. Gnaden! Mild und gütig läßt Euch der Herzog auffordern, den Beschluß der Mächte zu respektieren, Euch zu fügen in das unabänderliche Schicksal! Schont Gut und Leben! Weigert Ihr Euch, so muß Gewalt sprechen, denn die bewilligte Restitution wird durchgeführt, und Alpirsbach muß württembergisch werden!“

„Nein, nun und nimmer! Ich weiche nur der Gewalt!“

„Dann ist jegliches Verhandeln in Güte zu Ende! Gehabt Euch wohl inzwischen! Mögen Ew. Gnaden es nicht bereuen!“

Kühl sich verbeugend, entfernt sich sporenklirrend der Gesandte aus dem Saale und läßt den Abt in schwerster Gemütsbewegung stehen. Kurz darauf kündet lebhafter Hufschlag auf dem hartgefrorenen Boden, daß der herzogliche Sendbote mit Begleitung Alpirsbach, ohne Gastfreundschaft vom Kloster gefordert zu haben, verläßt.

Alphons begiebt sich, mehr aus Gewohnheit denn aus Bedürfnis, nach der folgenschweren Unterredung ins Refektorium, wo er den zu Tische versammelten Konventualen verkündet, daß soeben ein herzoglicher Gesandter die Übergabe des Klosters verlangte, die ihm verweigert worden sei. Nun werde wohl Gewalt gebraucht werden. Der Wegnahme von Dokumenten, Zinsbüchern, des transportablen Klosterschatzes müsse daher vorgebeugt werden durch schleunigste Überführung derselben in den Pfleghof zu Rottweil. In diesem Sinne fordert der Abt die Konventualen auf, alles Wertvolle zu bergen und ihm behilflich zu sein. Unberührt bleiben die Speisen; den Mönchen ist der Schreck in die Glieder gefahren.

Bebend fragt der silberhaarige P. Gotthard: „Und wenn die Herzoglichen kommen, wohin richtet sich unser Schritt?“

„Ich werde nach Ochsenhausen flüchten und Ihr mit mir!“ kündet der Abt, verrichtet das Gebet nach Tische und begiebt sich in seine Gemächer.

Hastig suchen die Konventualen ihre Zellen auf; es rumort im Kloster,
Kisten werden herbeigeschleppt und gepackt, ein Kramen und Suchen
überall nach Wertgegenständen, ein Hämmern und Schlagen, daß auf
Chorgebet und Magnifikat heute völlig vergessen wird.

Durch die Fratres ist die Kunde auch rasch zur Kenntnis der Unterthanen gekommen, die nun eilig trotz der Kälte neugierig in die unteren Räume der Abtei laufen, um Näheres zu erfahren über das bevorstehende Württembergischwerden. Die Männer werden angehalten, Gäule und Fuhrwerk zu schaffen, auf daß die wertvolle Stiftshabe so rasch wie möglich geflüchtet werde. Der ganze Ort gerät in Aufregung und Bewegung.