Einige Tage vergehen in rastloser Bergungsarbeit, und Abt Alphons ist eifrig daran, Bestandteile der Registratur, die er nicht mitnehmen kann, zu vernichten. Seinen schriftlichen Protest gegen den Frieden und die Restitution hat er wohl abgesandt, ist aber von der Wirkungslosigkeit dieses Schrittes überzeugt. Er will nur seiner Pflicht bis aufs äußerste genügen und kein Mittel außer Waffenwiderstand, den ihm die Ordensregel verbietet, unversucht lassen. So fertigt er denn den ersten Transport der Stiftshabe ab, hochbeladen fahren die Klosterknechte und Hörigen die Wagen nach Rottweil.
Am 19. Dezember war es, daß sich ein Trupp von sechzig Mann in württembergischen Fahnen mit Kammerrath Orth an der Spitze der Abtei nahte. Kaum erblickten die von Abt Alphons aufgehellten Späher das Anrücken der Mannschaft, da eilten diese ins Kloster und schlugen Alarm. Was Beine hat in Alpirsbach, läuft auf dem Klosterplatze zusammen; von Hof zu Hof fliegt die Kunde wie Flugfeuer, und selbst bis in den Tann dringt die Kunde vom großen Moment der Klosterübergabe an Württemberg.
Auch Euseb der Pelagier hört davon; ein Zittern geht durch seinen Körper, ihm schwindelt der Kopf. Was er ersehnt, wofür er sein Leben freudig geben würde: nun soll es wahr werden! Beil und Säge wegwerfend, stürmt er quer durch den Tann in jähen Sätzen hinunter zum Kloster.
Dumpf dröhnt der Schritt der württembergischen Soldaten auf dem gefrorenen Klosterplatze, wo Halt gemacht wird. Kammerrath Orth steigt vom Gaul und begiebt sich ins Kloster, wo die Mönche zeternd durcheinanderlaufen und nach ihren Taschen suchen.
Wieder stehen sich der Abt und der Gesandte des Herzogs im Sprechsaal gegenüber. Mit feierlichem Ernst fordert Orth im Namen Eberhards die Übergabe der Abtei mit Hinweis auf die ihm zu Gebote stehende Gewalt.
Ein Wehruf entflieht des Abtes Lippen: „Verloren, verloren!“
Mild mahnt der Gesandte, durch freiwilligen Abzug das Leben der Mönche und Unterthanen zu schonen.
Thränen stürzen aus Alphons' Augen, mit zitternder Stimme spricht er: „Ich weiche in Gottes Namen aus dem Kloster, das nahezu 600 Jahre frei bestanden! Ich weiche der Gewalt als letzter katholischer Abt von Alpirsbach![24] Doch laßt mir mein Eigentum, so solches noch im Kloster ist!“
„Kraft meiner Vollmacht bewillige ich dies! Gott sei mit Ew. Gnaden fürder! Von diesem Augenblick an ist Alpirsbach mit allen Rechten und Besitz Eigentum Württembergs!“
Wie gebrochen giebt Alphons sein Abtkreuz dem Gesandten und wankt hinaus.