Lautlos sind die Dörfler nähergerückt, die Augen in höchster Spannung auf das Kreuz und die brennenden Kerzen gerichtet. Peter starrt unverwandt auf die beiden Kerzen, die seinen Zweifeln ein Ende machen, entscheiden sollen, wessen Sache die gute und richtige ist.

Und nun knistert die Salpetererkerze, sie flackert auf, glost und verlöscht — — —. Ruhig, stetig brennt die Herzogskerze fort.

„Der Herzog hat recht!“ schreit Peter mit gellender Stimme und erhebt sich. Im selben Augenblick strahlt heller weißer Lichtschimmer vom Kreuze aus in Büschelform, es saust und knistert geisterhaft ringsum, ein seltsam Lichtbüschel, weißglühend flammt von der Herzogkerze aus, es leuchtet Peters Hut in einem bläulich weißen Licht, seine ganze Gestalt ist von weißvioletten Strahlen umflossen, eine blendende weiße Lichtsäule flammt vom Kreuz auf: Elmsfeuer!

Peter, überwältigt von dieser Lichterscheinung und dem Gottesgericht wirft sich in die Kniee, und desgleichen beugen sich die herangekommenen Dörfler, kreuzschlagend, fassungslos die erloschene Kerze und die ruhig brennende, weißschimmernde Herzogskerze anstarrend. Jetzt bemerkt Peter die Salpetererschar und ruft ihr zu mit vor Aufregung bebender Stimme: „Gott hat entschieden, aus ist's mit den Rechten vom Grafen Hans! Der Großherzog ist Herr, Gott ist für ihn! Ich werde Halunke, ich werde badisch, so wahr mir Gott helfe!“

Fassunglos, überwältigt starren die Salpeterer den Peter und das Kerzengericht an. Richtig ist eine Kerze erloschen, die andere brennt, und das Elmsfeuer leuchtet mit magischem Licht dazu. Unwillkürlich flüstern die Leute: „Der Großherzog ist Herr!“

Und mit einemmale erlischt das Elmsfeuer, es ist dunkel ringsum, nur der Schnee flimmert. Fort sind die Wetterwolken, klar der Himmel, milder Sternenschein glitzert herab, und unentwegt brennt am Kreuzesschaft die Herzogskerze. Peter ist befreit von seinem Zweifel, für ihn ist die Salpeterersache abgethan; er will badischer Unterthan werden. Schier mit Ehrfurcht tastet seine zitternde Hand nach der Herzogskerze, die er brennend vom Kreuzesschaft nimmt und wie ein Heiligtum vor sich herträgt. Und seltsam: es brennt diese Kerze trotz des Luftzuges; Peter bringt sie brennend durch den tiefen Schnee und durch dunkle Nacht heim zum toten Bühl, die Kerze wie ein Kleinod bewahrend. In scheuer Entfernung, Abstand haltend, folgen ihm die Dörfler, denen das Gottesgericht ein Wunder dünkt, vor dem sie vorerst fassungslos sind.

Schon viel früher als Ätti angegeben, luegt Thrinele nach dem Vater aus: ein Gefühl der Freude, eine unbestimmte Ahnung, eine innere Unruhe nimmt dem Mädchen die Ruhe. Thrinele vermag nicht zu spinnen, sie kann nicht ruhig sitzen, nicht stehen bleiben. Es ist ihr, als werde sie in der nächsten Stunde etwas Ungewöhnliches, für ihre Verhältnisse Außergewöhnliches erleben, und Ätti werde ihr das Glück heimbringen.

Und da kommt der Vater richtig vom Bühl herab, eine Kerze tragend! Was das wohl zu bedeuten hat?

Wie verklärt im Gesicht tritt Ätti feierlich in sein windschiefes Haus, krampfhaft die Kerze tragend, und begiebt sich in die Gaststube, wo er die Kerze sorgsam in einen Leuchter steckt und weiterbrennen läßt. Verwundert folgt Thrinele ihm nach; sie hat die Frage, was es denn mit dieser zum Stümpfchen herabgebrannten Kerze sei, auf den Lippen, doch wagt sie keine Anrede angesichts der feierlichen Haltung des Ätti. Nun knieet der Vater nieder, betet andächtig ein Ave Maria, bekreuzt sich und sagt: „Ich bin geheilt von allem Zweifel und Wahn, ich werde badisch, Amen!“

Ein Jubelruf tönt durch die stille kleine Stube, und Thrinele fliegt dem Vater an den Hals, Ätti küssend und umarmend.